Fachtagung Interne Revision 2017

Potsdam/Berlin 15./16. November 2017 – Mitte November fand die diesjährige Fachtagung Interne Revision in Potsdam statt, an der über 100 Führungs- und Fachkräfte aus den Sparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbandes und aus Schleswig-Holstein, sowie Vertreter der Prüfungsstellen des OSV und SGVSH und der Abteilung Steuerung des OSV teilgenommen haben.

Dirk Franzenburg (SGVSH)
Frank Nauruhn (OSV)
Jana Quilitzsch (S-Rating und Risikosysteme)
Jörg Windoffer (OSV)
Bernd Lufen und Klaus-Dieter Mietzsch (Ostsächsische Sparkasse Dresden)
Dr. Sven Kleinknecht (Deloitte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH)
Sylvia Melzer und Sebastian Siegmund (OSV)
Angelika Stein und Jörg Wegerich (OSV)
Helmut Ibsch (Salzlandsparkasse)
Markus Volke (OSV)
Ingo Kühling (Landessparkasse zu Oldenburg)
Frank Kunst (OSV)
Matthias Henningsen (Nord-Ostsee Sparkasse) und Josef Pilz (OSV)
Reinhard Börnecke (OSV)

Die aktuellen Rahmenbedingungen sind – mit geänderten Kunden-
anforderungen, Wettbewerbsdruck,  Regulatorik und Niedrigzinsphase – bekannt wie herausfordernd und werden durch revisionsspezifische Themen und berufsrechtlichen Anforderungen noch einmal erweitert. Dementsprechend umfangreich war auch das Programm der beiden Tage ausgestaltet.

 
Dirk Franzenburg, Leiter der Prüfungsstelle des SGVSH, ging in seinem Eröffnungsvortrag zur „EU-Reform der Abschlussprüfung“ auf die signifikanten Änderungen im Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer und deren Auswirkungen beispielsweise auf die Transparenz einzelner Prüfungssachverhalte und die Kommunikation zwischen Externer Revision und Sparkasse,
einschließlich Interner Revision, ein.

Frank Nauruhn, stellvertretender Leiter der Abteilung Steuerung, berichtete umfassend und fokussiert über die Neuerungen im Aufsichtsrecht und Meldewesen.

Die aufsichtliche Dynamik lässt mit Veröffentlichung der neuen MaRisk nicht nach und die Anforderungen im IT-Bereich haben sich mit den Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) verschärft.  Dennoch geht auch angesichts der großen Herausforderungen für die Fachbereiche die Botschaft an die Internen Revisionen, mit Augenmaß an die Prüfungen zu gehen und Materialität vor Formalismen und Dokumentation zu stellen. Erleichterungen sind auf politischer Ebene im Gespräch, aber kurzfristig nicht in Sicht und daher noch ein langer Weg.

Im Anschluss erläuterte Jana Quilitzsch in ihrem Vortrag  „Mittelfristige Unternehmensplanung der S-Rating und Risikosysteme GmbH“ die Weiterentwicklung der Risikoklassifizierungsverfahren und
der Banksteuerung. Danach verlangt der Kostendruck bei den Rating-Verfahren nach einer Standardisierung von Prozessen sowie von Pflege und Wartung.
In der regulatorischen Banksteuerung sind der Aufbau des Integrierten Datenhaushaltes und die Umsetzung des Zielbildes Banksteuerung zukünftig die zentralen Themen.

Mit den Auswirkungen des neuen Datenschutzrechts  durch die EU-DSGVO auf die Arbeit der Internen Revision befasste sich Jörg Windoffer, Rechtsanwalt und Datenschutz-beauftragter im OSV.

Die Workshops der Tagung boten mit einer breiten Themenpalette über

  • Prüfung nach § 44 KWG zu ausgewählten IT-Prüffeldern / Pre-Check
  • Digitalisierung in der Internen Revision
  • Erfahrungsbericht zur Erstmeldung FINREP
  • Zertifizierung nach dem QI-Vertrag – Aktivitäten der Internen Revision
  • Das Standard-Revisionshandbuch nach PPS im Praxiseinsatz und PPS-Standards für die IR
  • Investmentsteuerreformgesetz und Auswirkungen auf den Jahresabschluss 2017

sowohl Umsetzungsberichte aus der Praxis, erste Erfahrungsberichte als auch Vertiefungen zu den Vorträgen sowie neue Anregungen und visionäre Ausblicke.

Helmut Ibsch, Mitglied des Vorstandes der Salzlandsparkasse, stellte in seinem Eröffnungsvortrag „Veränderte Rahmenbedingungen mit Auswirkungen auf die Interne Revision“ am zweiten Tage seine Botschaften aus Vorstandssicht einer Sparkasse an die Interne Revision von heute und morgen zur Diskussion. Er betonte einerseits die Bedeutung des Wandels in der Rolle vom Prüfer zum Berater als auch die Bedeutung der Orientierung für die Tätigkeit der Internen Revision an der Geschäftsstrategie seines Hauses. Das Augenmerk aller muss immer auf die „Ertragsquellen“ der Sparkassen – den Vertrieb – gerichtet sein. Die zentrale Frage muss daher lauten: „Macht jeder das, was er soll, um die gesteckten Ziele zu erreichen?“. Auch der Prüfungsfokus müsse auf die Erreichung der strategischen Ziele gerichtet sein, die Prüfung müsse nicht nur auf die Einhaltung aufsichtsrechtlicher und regulatorischer Anforderungen gerichtet sein, sondern Prüfungen müssen auch auswirkungsorientiert erfolgen.

Einen Überblick zu PPS, zum Stand der Prozessverfügbarkeit und den PPS-Revisionsprozessen gab anschließend Markus Volke, Leiter Abteilung Steuerung des OSV, in seinem Vortrag „Zukunft der Internen Revision - Auswirkungen der Prozessstandardisierung“.

Er konnte berichten, dass die PPS-Prozessdokumentation eine respektable Breite – sowohl bezüglich der Anzahl an beschriebenen Prozessen als auch der Akzeptanz in den Sparkassen – angenommen hat. Dies schaffe in der Sparkasse ein neues Vorgehen bei der Inkraftsetzung von Organisationsrichtlinien als auch ein Prüfungssoll für die Interne Revision.

Dabei sei zu beachten, dass den Dokumentationen klare Konventionen zugrunde liegen – auch zum Dokumentationsumfang und zu IKS / Rezertifizierungs-Rhythmus. Auch die Dokumentationen für die Interne Revision selbst (Revisionshandbuch) liegen inzwischen vor, sind an den MaRisk ausgerichtet und folgenden vorgenannten Konventionen.

Ingo Kühling, Leiter Interne Revision der Landessparkasse zu Oldenburg, ging im folgenden Vortrag zu „PS 983 und DIIR Revisionsstandard Nr. 3“ der Frage nach, ob diese Fluch oder Segen für die Sparkassen-Revision seien.

Der Vortrag von Frank Kunst, Leiter Grundsatz /IT der Prüfungsstelle des OSV, „Die Interne Revision einer Sparkasse im Spannungsfeld von Niedrigzinsumfeld, Digitalisierung und Regulierung - Konsequenzen und Lösungsansätze“ zog ein Fazit aus Sicht der Prüfungsstelle des OSV. So haben die neuen MaRisk bezüglich der Internen Revision keine gravierenden Veränderungen formuliert, aber interessant ist vor allem die Klarstellung zur Auslagerung der Internen Revision. Unabhängig davon ist die Interne Revision immer stärker in den Fokus der aufsichtlichen Prüfungen gemäß § 44 KWG geraten. Die Bemessung individueller Kapitalzuschläge im Rahmen des SREP ist eine der bedeutendsten Maßnahmen der Bankenaufsicht in den letzten Jahren. In diesem Zusammenhang sind Feststellungen von externen und internen Prüfern  von enormer Bedeutung. Zum Abschluss stellte Kunst Thesen zur künftigen Ausrichtung der Internen Revisionen von Sparkassen zur Diskussion.

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