Frühjahrstagung für Sparkassenvorstände 2018

Berlin/Potsdam, 23. Mai 2018  Ende Mai hat die Frühjahrstagung für Sparkassenvorstände stattgefunden. Der Einladung sind rund 140 Vorstände und Geschäftsleiter aus den  OSV-Mitgliedssparkassen, dem SGVSH sowie Verbundeinrichtungen gefolgt.

Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV)
Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV)

Strategie

Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), eröffnete die Vorstandstagung mit einer Rede zur „Erfüllung des öffentlichen Auftrags braucht passende Rahmenbedingungen“.  In seiner Rede erinnerte er daran, dass das Preußische Sparkassenreglement von 1838 die erste Bankenregulierung überhaupt gewesen sei. Das sei eine Regulierung für die Sicherheit der Einlagen, die Interessen der Sparer und zur Begrenzung von Risiken gewesen. Die kurze und zielgenaue Regulierung habe das Geschäftsmodell der Sparkassen gestärkt, in der Folge boomte das Sparkassenwesen, wovon wir noch heute profitieren.

Dr. Ermrich machte darauf aufmerksam, dass Sparkassen einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen haben. Dazu benötigen sie auch eine passende Regulierung, damit der öffentliche Auftrag nicht durch Regulierungslasten unmöglich gemacht wird. „Diese passende Regulierung gab es, solange die Aufsicht noch national war. Die überbordende Regulierung muss dringend  überarbeitet werden“, so Dr. Ermrichs Fazit.
 
Daran knüpfte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), mit seiner Rede „Wert regionaler Kreditinstitute für die Wirtschaft und Gesellschaft“ an. Sparkassen stehen mit beiden Beinen mitten im Leben und blicken auf eine solide betriebswirtschaftliche Lage und sie haben die Mehrheit der Kunden und sind gerade wegen ihres Beitrages zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland relevante Institute, betonte Schleweis in seinem Vortrag.

Banken müssen zur Wirtschaft passen – nicht zur Regulierung

Die Sparkassenorganisation war Anfang der 2000er Jahre, als vorrangig Cost-Income-Ratio und Cashflow obenan standen, etwas davon abgekommen. „Wir müssen den öffentlichen Auftrag zurückgewinnen!", forderte Schleweis.

Es gelte auf die Kundenwünsche zu achten. Schleweis brach eine Lanze zur Erhaltung der Filiale; laut Studien kämen die Kunden eher, wenn die Filiale maximal 2 KM entfernt sei. Es gelte daher die Filiale neu zu bewerten. Er betonte eindringlich, dass das Asset der Sparkassen das Girokonto ist, dies müsse man angesichts der Angriffe von Wettbewerbern und Fintechs durch Aufwertungen schützen.

Sparkassen müssen unterscheidbar bleiben und dieser Unterschied muss für die Kunden sichtbar, für die Regelsetzer glaubhaft und für uns selbst immer wieder Maßstab unseres Handelns sein.

Gemeinwohlorientierung und Kundenfokussierung dürfen nicht von der Betriebswirtschaft dominiert werden. Die Überregulierung erschwere verantwortliches Handeln und starke Eingriffe ins Geschäftsmodell führen zu starken Reflexen, sich betriebswirtschaftlich abzusichern. Das Nachsehen hat der Kunde. Sparkasse und Aufsicht sind beide in der Pflicht, Maß zu halten. Die Sparkasse muss sich zuerst um den Kunden, dann um die Regulierung kümmern – und Politik und Aufsicht müssen dies ermöglichen.

„Die aktuellen Verbundstrukturen sind nicht zukunftsfähig“, mahnte Schleweis. Es bedarf eines kulturellen und strukturellen Wandels, denn ein Verharren bei den aktuellen Verbundstrukturen wird am Ende den Sparkassen schaden. Die Sparkassen müssten Verantwortung wahrnehmen und die Verbundstrukturen verändern, dabei helfe eine klare Arbeitsteilung im Verbund.

Schleweis appellierte an die versammelten Vorstände: „Wir sollten Sparkassen bleiben dürfen und müssen anders als Investmentbanken behandelt werden. Um aber zu bleiben, wie wir sind, müssen wir uns weiterentwickeln und Innovationen in unser Geschäftsmodell integrieren. Denn wir wollen unsere Marktposition nicht nur verteidigen – wir wollen gemeinsam wachsen!“

Gunther Wölfges, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Wuppertal, vervollständigte den Themenblock Strategie mit der Vorstellung seines Erfolgsrezeptes „Unverwechselbar Sparkasse – Mit der Kraft starker Wurzeln“ vor. Um erfolgreich zu sein, müssen Sparkassen einen systematischen Versorgungsprozess für ihre Kunden aufbauen und Rahmenbedingungen schaffen. Dazu zählen u. a. verschiedene Zugangswege und eine bedarfsgerechte, persönliche Beratung.

Bankenaufsicht

In seinem Vortrag „Regulatorik und Proportionalität“ erläuterte Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die Herleitung und Verteilung der SREP-Aufschläge und deren Treiber. Er betonte, dass das aufsichtliche Instrumentarium stetig weiterentwickelt wird und der SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) ein ganzheitlicher Ansatz ist, der das Risiko der Banken in einen angemessenen Kapitalaufschlag übersetzt. Die besondere Herausforderung bestehe auch in der Einzigartigkeit des deutschen Bankenmarktes in Europa. „Für die vielen kleinen Banken brauchen wir eine risikoadäquate Aufsicht, für die sich die BaFin in Europa einsetzt“, so Röseler.

„Wer trägt die Verantwortung und die Kosten für aufsichtsgetriebene Schieflagen?“ fragte Michael Bräuer, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Oberlausitz Niederschlesien und Verbandsobmann des Ostdeutschen Sparkassenverbandes in seinem Vortrag „Wer leitet eigentlich eine Sparkasse?“, in dem er auf die veränderten Rahmenbedingungen durch Digitalisierung, Negativzins und Regulatorik sowie auf die Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen für die Kreditinstitute in den letzten Jahren einging. Bräuer mahnte: „Überregulierung schädigt die Krisenreaktionsfähigkeit von Sparkassen und legt den Grundstein für eine Verschärfung der nächsten Krise.“

Peter Simon, befasst sich als Mitglied des EU-Parlaments und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Währung (ECON) in seiner parlamentarischen Arbeit mit der Reform der Einlagensicherungsrichtlinie und gab einen Einblick in in die Rolle und Bedeutung der regionalen Kreditinstitute für die wirtschaftliche Entwicklung aus Sicht der Politik. Sein Fazit: die nationalen Besonderheiten sind nur den entsprechenden nationalen Parlamentariern präsent und die große Herausforderung besteht darin, diese auf europäischer Ebene präsent zu machen. Simon konnte aber auch einen hoffungsvoll klingenden Ausblick auf aktuell laufende Bestrebungen zur Reduzierung der Meldepflichten für kleine Institute auf circa ein Zehntel des bisherigen Umfanges geben.

Podiumsdiskussion „Rolle und Verantwortung der Sparkassen im Angesicht von Regulatorik und Demografie“

Ausgehend vom Grundverständnis des Kreditwesengesetzes, bestand Konsens, dass der Finanzsektor von besonderer Bedeutung für entwickelte Volkswirtschaften ist und dass insbesondere Kreditinstitute eine zentrale Stellung im Wirtschaftskreislauf haben. Es ist oberstes Ziel der in Deutschland zwischen BaFin und Zentralbank aufgeteilten Bankenaufsicht, die Funktionsfähigkeit und Stabilität des Finanzsektors zu sichern und die Gläubiger der Institute nach Möglichkeit vor Verlusten zu schützen. Dabei soll die Aufsicht im Sinne einer vorbeugenden Gefahrenabwehr tätig sein und dazu beitragen, jedes einzelne Institut und damit auch dessen Einleger zu schützen und Ansteckungsgefahren für andere Institute zu reduzieren.

Wolfgang Zender, Verbandsgeschäftsführer des OSV, stellte die Frage, ob die Vielzahl von modelltheoretischen Anforderungen valide geeignet sind, den potenziellen Missständen in regional verankerten Sparkassen entgegenzuwirken. „Müssen die Regelungen gleichermaßen zwischen einer international tätigen Bank in New York und der Stadtsparkasse Schwedt gleich sein? Ich meine nein – auch die Sparkasse Schwedt muss von der Aufsicht überwacht werden – jedoch muss aktuell die Sparkasse Schwedt die gleichen Anforderungen erfüllen wie deutlich größere Institute“, kritisierte Zender.  

Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Themenblock Digitalisierung, sensibilisierte in seinem Vortrag „Cyber-Risiken und Cyber-Sicherheit“ für die aktuelle Bedrohungslage und die daraus resultierenden Herausforderungen für leistungsfähige und sichere Kommunikationssystem darstellen. Er appellierte an die Verantwortung von Vorständen und Unternehmensleitern, ihre Unternehmen vor den  zunehmend komplexen Sicherheitsbedrohungen in der Digitalisierung zu schützen.

Stefan Roesler, als Mitglied der Geschäftsführung der DSV-Gruppe und Vorsitzender der Geschäftsführung des Sparkassen-Finanzportals, analysierte in seinem Vortrag „Payment 2.0 – aktuelle Herausforderungen“ die aktuellen Entwicklungen im Payment Markt, stellte die Payment Strategie der Sparkassen Finanzgruppe dar und ging auf konkrete Maßnahmen für Sparkassen ein.

Den Abschluss des ersten Tages übernahm Andreas Schelling, Mitglied der Geschäftsführung der Finanz Informatik, mit seinem informativen Beitrag zu „OSPlus – der  digitale Finanzplattform für die Sparkassen“. Schellings Botschaft war klar: Die Welt wird digitaler und Kunden lieben es einfach und bequem, überall und jederzeit, online und mobil.

Der zweite Tag begann mit dem Vortrag von Prof. Markus C. Kerber von der TU Berlin. Er ging nach einer Bestandsaufnahme, auf die Ergänzungsvorschläge der EU-Kommission und deren Verfassungsrechtliche Grenzen zu Rettungsschirmen eingehen. Nach Prof. Kerbers Einschätzung verzerren die Europäische Einlagensicherung und Letztsicherung des Abwicklungsfonds den Wettbewerb der Banken in Europa.

Matthias Benk, Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Nürnberg, stellte in seinem anschließenden Vortrag den digitalen Kreditprozess der Sparkasse Nürnberg dar und erläuterte die strategischen Überlegungen zur Auslagerung an die Deutsche Servicegesellschaft für Finanzdienstleister (DSGF) und die kritischen Erfolgsfaktoren. „Derzeit sind wir am Anfang dieser Entwicklung – oftmals fehlt uns noch die Vorstellungskraft für das Ausmaß. Entscheidend  für die Entwicklung der Sparkassen wird es sein, ob es gelingt, konsequente Kundenorientierung auch in die Prozessgestaltung zu übertragen“, so Benk.

Gemeinsam einfach mehr erreichen“ dafür warb Michael Henrich, Mitglied des Vorstandes der Frankfurter Bankgesellschaft AG. Als Kenner des Verbundgedankens gab er einen Einblick in Akquisition und Betreuung von vermögenden Kunden und Familienunternehmen durch Sparkassen und stellte das Erfolgskonzept seines Hauses vor.  So ist der Marktanteil der Sparkassen im Private Banking / Wealth Management bundesweit unterdurchschnittlich im Vergleich zu anderen Marktsegmenten. Durch die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Bankgesellschaft stärken die Sparkassen ihre Kompetenz und ihr Leistungsangebots im Wealth Management.

In der Zusammenarbeit zwischen Sparkasse und Frankfurter Bankgesellschaft könne die strategische Betreuungslücke zur vollständigen Ausschöpfung der Potenziale eines Kundenverbundes, insbesondere im Firmenkundensegment, bei Familienunternehmen und sehr vermögenden Privatkunden geschlossen werden.

Prozesse

Rainer Schikatzki, Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Meißen, erläuterte in seinem Vortrag wie das Kreditanalyseportal der DSGF die Prozesse effizient unterstützen kann. Die MaRisk verpflichten Sparkassen, bei Limitvergaben und -überprüfungen, die Bonität von Emittenten und Kontrahenten regelmäßig und im Rahmen von Kreditvergaben zu überprüfen. Insbesondere für kleinere und mittlere Sparkassen besteht ein Spannungsfeld zwischen den aufsichtsrechtlichen Vorgaben und den hohen Kosten für das Vorhalten von Expertenwissen.

Robert Müller, Geschäftsführer der S-PensionsManagement GmbH sowie Vorstand der Sparkassen Pensionsfonds AG erläuterte zum Abschluss die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen auf den Sparkassen Pensionsfonds als Antwort auf den Niedrigzins. Nach Müller Auffassung würden Versorgungszusagen zunehmend das Jahresergebnis der Sparkassen belasten. In seinem Vortrag stellte er die Handlungsalternativen für die Institute und das umfassendes Produkt- und Beratungskonzept für die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen speziell für Sparkassen der Sparkassen Pensionsfonds AG dar.  

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