Herbsttagung für Sparkassenvorstände 2017

Markt im Blick - Mensch im Fokus | Im Spannungsverhältnis zwischen Kostendruck und Innovation

Potsdam/Berlin 16. Oktober 2017  Unter dem Motto „Markt im Blick – Menschen im Fokus“ fand die diesjährige Herbsttagung für Sparkassenvorstände in Potsdam im Kongresshotel am Templiner See statt. Die Veranstaltung befasste sich im Kern mit dem gesellschaftspolitischen Wandel und dessen Auswirkungen auf den Finanzmarkt und die Sparkassen.

Dr. Michael Ermrich (Geschäftsführender Präsident des OSV) eröffnet die diesjährige Herbsttagung 2017
John Kornblum (ehemaliger US-Botschafter in Deutschland)
Podiumsdiskussion
Teilnehmer Herbsttagung 2017
Teilnehmer Herbsttagung 2017
Teilnehmer Herbsttagung 2017
Dr. Sören Abendroth (Vorsitzender des Vorstandes Sparkasse Mittelholstein AG)
Ralph Goldschmidt (Redner und Autor, Goldschmidt & Friends)
Andreas Schelling (Mitglied der Geschäftsführung Finanz Informatik GmbH & Co. KG)
Ottmar Bloching (Mitglied der Geschäftsführung Deutscher Sparkassen Verlag)
Dr. Joachim Schmalzl (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Deutscher Sparkassen- und Giroverband)
Frank Axel (Leiter der Abteilung Markt, OSV)
Hans-Michael Strube (Vorsitzender des Vorstandes Salzlandsparkasse)

 
Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des OSV, leitete die Veranstaltung mit einem sehr klaren Statement ein: „Markt, Gesellschaft und Menschen gehören zusammen. Unser Anspruch sollte sein, die Marschrichtung mitzubestimmen.“  Als öffentlich-rechtliche Anstalten tragen die Institute eine hohe gesellschaftliche wie auch ökonomische Verantwortung. Der öffentliche Auftrag sei die zentrale Begründung für die Existenz von Sparkassen. Dr. Ermrich mahnte in seiner Rede: „Es erfordere  große Sensibilität, dem öffentlichen Auftrag und gleichzeitig den Anforderungen von Niedrigzins, Regulierung und der voranschreitenden Digitalisierung gerecht zu werden. Im Fokus müsse aber immer der Mensch stehen.“

Auf die gegenwärtige „gesellschaftliche Unruhe“ in der westlichen Welt und die Verantwortung, welche Organisationen und Institute dafür mitzutragen haben, ging John Kornblum, ehemaliger Botschafter der USA in Berlin, in seiner Keynote ein.

„Bis zur Bundestagswahl habe Deutschland als „ein Sockel der Stabilität“ gegolten, doch dieses Bild habe sich für viele Beobachter nun relativiert. Die Institutionen hätten nicht schnell genug mit neuen Antworten auf den Wandel reagiert – die in 500 Jahren ausgearbeitete Toleranz und Offenheit sind auch zukünftig der richtige Weg, so die Einschätzung von Kornblum.

In der Podiumsdiskussion „Finanzwelt im Wandel – Herausforderungen meistern“  diskutierten OSV-Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Zender, John Kornblum, Helmut Schleweis, Bundesobmann der Sparkassenvorstände und Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Heidelberg, Achim Thöle, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Westholstein und Torsten Schubert, Geschäftsführer Schubert Motors GmbH.
 
„In Zeiten der Unruhe und des gesellschaftspolitischen Wandels sollte der Fokus mehr auf den Kunden liegen, aber man dürfe auch nicht schlafen und Fintechs an sich vorbei ziehen lassen. Gerade jetzt seien Führungskräfte besonders gefordert“, erläuterte Schleweis.

Herr Zender griff den Digitalisierungsgedanken von Schleweis auf. Die Digitalisierung verunsichert viele Mitarbeiter. „Es führe aber kein Weg drum herum, Mitarbeiter müssen für die Digitalisierung fit gemacht werden“, mahnte Zender. „Nur so könne man mit dem Kunden auf Augenhöhe kommunizieren und weiterhin nah am Menschen bleiben“, so Zender.

Ein Kritischer Einwurf kam von Kornblum. Er sieht den deutschen Sparer im Vergleich zum amerikanischen Sparer als zu wenig investitionsfreudig.  Aus seiner Sicht gibt es keine Aktienkultur in Deutschland – das müsse sich ändern. 

Um Verständnis warb Achim Thöle: „Wenn es Rückschläge an der Börse gegeben habe, hätten sie in der Vergangenheit „die Prügel einstecken“ müssen.“ Er sieht Führungskräfte in der Pflicht, Berater zu überzeugen, dass sie den  Langfrist-Aspekt einer Aktienanlage in den Vordergrund rücken.

Wolfgang Zender: „Wir dürfen dennoch nicht vergessen, woher wir kommen. Eine finanzielle Bildung ist aber eine wichtige und zentrale Aufgabe für die Zukunft.“

Zeit, Transparenz und Offenheit ist die Basis zwischen Sparkasse und Kunde, erklärte Torsten Schubert, Geschäftsführer Schubert Motors GmbH. „Nicht sagen, was nicht geht, sondern was geht. Auch Berater müssen Zeit haben, um Unternehmen besser kennenzulernen und einschätzen zu können“, so Schubert.

Der frühe Nachmittag war dem Themenblock  „Märkte und Potential“ gewidmet. Ronald Slabke, Vorsitzender des Vorstandes der Hypoport AG, gab einen Einblick in die Entwicklung von Märkten. Daran anknüpfend stellte Dr. Abendroth, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Mittelholstein, die Chancen im Kreditgeschäft praxisnah dar. Herr Dr. Roßbeck, Vorsitzender des Vorstandes der Feuersozietät Berlin-Brandenburg Versicherung AG, ging abschließend auf die Vertriebsansätze im Versicherungsbereich ein. 

Der zweite Tag widmetet sich dem Thema Digitalisierung. Herr Bloching ging auf die Paymentstrategie ein. Dr. Joachim Schmalzl betonte: „Unser Kern ist das filialgestützte Sparkassenwesen. Das können wir. Wir wollen die Digitalisierung nutzen, uns weiter zu verbessern. Wir werden Kunden nicht dazu erziehen, dass alles digital abläuft. Der Kunde bestimmt den Kanal.“

Herr Schelling stellte die Weiterentwicklung von OSPlus_neo zu einer modernen Finanzplattform für ein Sparkassen-Ökosystem dar. Mit Blick auf PSD II wird mit dem Release 18.0 den Kunden die Möglichkeit zum Multibanking geboten.

Good-Practice-Beispiele aus der Sparkassen-Finanzgruppe rundeten die zweitägige Veranstaltung ab. Vertriebs-, Kommunikations- und Führungskonzepte sowie ausgewählte Unterstützungsangebote wurden in insgesamt vier Blöcken präsentiert und diskutiert. 

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