Mehr und zufriedenere Gäste – Beherbergungsgewerbe wirtschaftlich stärker

Ermrich: Wandel im Tourismus aktiv gestalten

Berlin, 8. März 2018  Die Qualitätsinitiativen im ostdeutschen Tourismus wirken: Die Nachfrage steigt und die Gäste sind zufriedener. Das geht aus dem 21. Sparkassen-Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, das der Geschäftsführende OSV-Präsident, Dr. Michael Ermrich, am Donnerstag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin präsentierte.

2017 verzeichneten die gewerblichen Betriebe bundesweit einen neuen Rekord von 459,45 Mio. Übernachtungen, ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden 2017
178,23 Mio. Gästeankünfte gezählt, 3,8 Prozent mehr als in 2016. In Ostdeutschland war der Übernachtungszuwachs mit einem Plus von 1,2 Prozent wie bereits in den Vorjahren erneut schwächer.

Ermrich forderte mehr Mut zum Wandel: „Natürlich freuen wir uns über messbare Erfolge aufgrund von Qualitätsbemühungen. Wir dürfen dabei aber nicht aus den Augen verlieren, wie rasch sich die Marktstrukturen und Rahmenbedingungen im Tourismus insgesamt wandeln. Erfolge sind kein Ruhekissen, sondern das Fundament für neue Ziele. Und das Gastgewerbe entwickelt derzeit neue wirtschaftliche Kraft für Investitionen.“

Übernachtungszuwächse in Ostdeutschland insgesamt

2017 meldeten die gewerblichen Beherbergungsbetriebe ab 10 Betten einschließlich Camping in Ostdeutschland insgesamt 27,5 Mio. Gäste, die den neuen Rekordwert von 80,4 Mio. Übernachtungen tätigten. Der Marktanteil der fünf Bundesländer an allen Übernachtungen in Deutschland lag 2017 bei 17,5 Prozent, der geringste Wert seit der Jahrtausendwende. Der Trend aus dem Vorjahr setzte sich somit fort. Die Marktanteile Ostdeutschlands gehen weiter zurück.

Wachstumspause in Mecklenburg-Vorpommern – Zuwächse in den anderen Ländern


Mecklenburg-Vorpommern konnte seinen 2016 erreichten Spitzenplatz in Ostdeutschland mit 30,3 Mio. Übernachtungen 2017 nicht halten. Die Zahl der Übernachtungen sank 2017 um 1,8 Prozent auf 29,75 Mio. Dennoch bleibt Mecklenburg-Vorpommern mit Abstand das beliebteste Reiseland in Ostdeutschland.

Sachsen registrierte 2017 19,5 Mio. Übernachtungen (+ 4,1 Prozent ggü. 2016), Brandenburg 13 Mio. (+ 1,6 Prozent ggü. 2016), Thüringen 9,9 Mio. (+ 1,9 Prozent ggü. 2016) und Sachsen-Anhalt 8,1 Mio. (+ 4,4 Prozent ggü. 2016).

Sachsen und Sachsen-Anhalt waren 2017 die dynamischsten Bundesländer im Tourismus in Ostdeutschland. Der „Luther-Effekt“ (Reformationsjubiläum) war spürbar, insbesondere auf Ortsebene, so auch in den thüringischen Städten. Neben den Übernachtungszahlen profitierten in der Freizeitwirtschaft vor allem die Stadtführungen und die themenbezogenen Ausstellungen. Auch in Brandenburg stieg das Übernachtungsvolumen in fast allen Regionen an.

50 Prozent der ostdeutschen Reisegebiete verzeichneten ein Allzeithoch bei den Übernachtungen. 10 der 42 Reisegebiete in Ostdeutschland meldeten 2017 allerdings Rückgänge bei den Übernachtungen.

Teilweise Zuwächse bei internationalen Gästen

Bundesweit stieg 2017 die Zahl der Ankünfte von Auslandsgästen um 5,1 Prozent und die Zahl der Übernachtungen von Auslandsgästen um 3,6 Prozent gegenüber 2016, in Ostdeutschland sogar um 4,8 Prozent.

In den Reisegebieten mit Angeboten zum Reformationsjubiläum erhöhte sich die Zahl der Übernachtungen internationaler Gäste sogar im zweistelligen Bereich. Das spiegelt sich auch in den landesweiten Zahlen wider. Positiv entwickelt haben sich die Übernachtungszahlen internationaler Gäste in gewerblichen Betrieben über 10 Betten und im Camping in Sachsen-Anhalt (+ 14,1 Prozent), in Sachsen (+ 8,8 Prozent) und in Thüringen (+ 7,1 Prozent). Lediglich die Betriebe in Brandenburg
(- 0,8 Prozent) und in Mecklenburg-Vorpommern (- 3,5 Prozent) meldeten Rückgänge.

Freizeitwirtschaft mit gestiegenem Besucheraufkommen

Traditionell analysiert das Sparkassen-Tourismusbarometer die monatlichen Besucherzahlen in ausgewählten Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Rund 280 dieser sogenannten touristischen Wetterstationen werden mittlerweile untersucht.

Im Jahr 2017 kamen nach vorläufigen Berechnungen des Sparkassen-Tourismusbarometers 1,4 Prozent mehr Besucher als 2016, deutschlandweit erreichten die Freizeiteinrichtungen nur ein Plus von
0,4 Prozent.

Das Reformationsjubiläum zeigte auch hier seine Wirkung. 8 Prozent mehr Gäste nahmen 2017 an Stadtführungen teil als im Jahr davor.

Neue wirtschaftliche Kraft im Beherbergungsgewerbe


Die positive Konjunktur beflügelt auch die wirtschaftliche Kraft der Betriebe im ostdeutschen Beherbergungsgewerbe. Das zeigen die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Beherbergungs-gewerbe, die das Sparkassen-Tourismusbarometer auswertet.

So erreichte die Cash-Flow-Rate der ostdeutschen Betriebe im Zeitraum von 2004 bis 2009 durchschnittlich 13,8 Prozent. Im Zeitraum von 2010 bis 2016 stieg sie auf den Rekordwert von durchschnittlich 15,5 Prozent. Der Cash-Flow drückt die Innenfinanzierungskraft eines Betriebs aus.

Auch die Umsatzrendite hat ein Rekordhoch erreicht. Lag sie im Zeitraum von 2004 bis 2009 noch bei durchschnittlich 4,8 Prozent, kletterte sie im Zeitraum von 2010 bis 2016 auf durchschnittlich 7,5 Prozent. Die Umsatzrendite gilt als Nachweis für die Ertragskraft eines Betriebs.

Die Investitionsquote stieg ebenso. Sie erreichte im Zeitraum von 2004 bis 2009 durchschnittlich 1,8 Prozent. Im Zeitraum von 2010 bis 2016 stieg sie auf durchschnittlich 2,3 Prozent.

Steigende Zufriedenheit der Gäste

Der Trust Score, der die Bewertungen aus den bedeutenden Online- Portalen zusammenfasst, bescheinigt den ostdeutschen Betrieben 2017 eine nach wie vor wachsende Zufriedenheit ihrer Gäste und setzt damit den Vorjahrestrend fort.

Die ostdeutschen Betriebe erreichten 2017 durchschnittlich 82,5 Punkte (von maximal 100), ein leichtes Plus von 0,3 Prozent im Vergleich zu 2016. Der bundesweite Wert liegt mittlerweile jedoch bei 82,8 Punkten (+0,3 Prozent). Nur die Betriebe in Sachsen (83,2 Punkte) liegen über dem Bundesdurchschnitt. Mecklenburg-Vorpommern (82,7 Punkte) hat bei der Zufriedenheit der Gäste weiter zugelegt und übertrifft die durchschnittliche Zufriedenheit der Gäste in Ostdeutschland, bleibt aber wie schon 2016 0,1 Punkte hinter dem Bundesdurchschnitt zurück.

Zulegen konnten auch Brandenburg und Thüringen, bleiben aber mit jeweils 81,8 Punkten unter dem ostdeutschen Durchschnitt. Auch Sachsen-Anhalt (81,7 Punkte) hat aufgeholt, bleibt aber Schlusslicht.

Der Trust Score macht deutlich, dass das ostdeutsche Beherbergungsgewerbe im Service insgesamt gut aufgestellt ist. In Ostdeutschland werden besonders das Hotel insgesamt sowie dessen Außenanlagen positiv bewertet. Unterdurchschnittliche Bewertungen erhalten die Zimmer und die Preise. Die meisten Negativbewertungen erhält der Bereich Internet/WLAN.

Aktuelle Herausforderungen für Ostdeutschland-Tourismus

Das Sparkassen-Tourismusbarometer fordert die ostdeutsche Tourismusbranche auf, die künftigen Herausforderungen in den Bereichen Digitalisierung, Sharing Economy und neue Anbieter-kooperationen, Tourismusbewusstsein und Tourismusakzeptanz aktiv anzugehen.

Tourismus wird immer häufiger nicht mehr als isolierter Wirtschaftszweig betrachtet, sondern als Teil einer ganzheitlichen regionalen Entwicklung verstanden. Zunehmend sollten Kooperationen mit der Wirtschaftsförderung angestrebt werden, die strategische Entwicklung gemeinsam mit den Kommunen geplant werden und enger mit anderen Wirtschaftsbranchen zusammen gearbeitet werden.

Strategien für den Beherbergungsmarkt

Die Beherbergungsbetriebe beschäftigen sich aktuell mit Fragen der Arbeitskräftesicherung, der Unternehmensnachfolge, der Modernisierung, des Vertriebs und der Finanzierung. Die Gäste haben individuellere Wünsche, verlangen Urlaubserlebnisse und sind zunehmend von der Digitalisierung aller Lebensbereiche geprägt.

Das Sparkassen-Tourismusbarometer hat untersucht, was die Gäste verlangen und was die Beherbergungsbetriebe leisten können. Der Beherbergungsmarkt der Zukunft wird im Wesentlichen durch vier Hauptbetriebstypen geprägt sein: Budgetbetriebe, Konzeptbetriebe, Luxusbetriebe und Kettenbetriebe. Für alle Hoteltypen gilt: allein mit klassischen Übernachtungs- und Frühstücks-angeboten überzeugen die Hotels auf Dauer nicht. Gäste suchen praktische Angebote oder Erlebnisse, das Ausgefallene.

Budgetangebote – weniger ist mehr

Moderne Low Budget Hotels haben sich mit durchdachten Geschäftsmodellen vom verstaubten Image entfernt und erreichen heute einen beachtlichen Teil des Branchenumsatzes.

In der Regel bieten die Betriebe ihren Gästen nur Leistungen an, die tatsächlich von ihnen erwartet und benötigt werden. Viele Betriebe verzichten auf ein Hotelrestaurant und der Rezeptionist ist häufig auch für die Bar verantwortlich. Somit kommen die betriebsinternen Prozesse mit weniger Personal aus und sind hochstandardisiert. Dabei bieten sie oftmals modernes Design und Ambiente. Erfolgsfaktoren von Budget-Betrieben sind Prozessstandards, Effizienz, hohe Zimmerzahl und ein optimales Preis- / Leistungsverhältnis.

Konzeptbetriebe – Thema oder Zielgruppe im Fokus

Die Gäste wünschen sich eine klare Positionierung und möchten authentische Erlebnisse. Anbieter brauchen ein eigenes „Thema“ oder müssen die Angebote auf die besonderen Wünsche von Zielgruppen, z. B. Familien mit Kindern oder Radler, ausrichten. Hier gibt es Nachholbedarf. Nur ein Drittel aller Betriebe in Ostdeutschland vermarktet ein klares Profil. Erfolgsfaktoren von Themen- und Konzeptbetrieben sind eine Nischenstrategie, der Zielgruppenfokus, Authentizität und die Disruption des Standards.

Luxusbetriebe

In Ostdeutschland positionieren sich knapp 50 Betriebe im Luxus-Segment. Ihre Standorte sind aktuell vor allem in größeren Städten und an der Küste.

Hauptzielgruppe für Luxusangebote sind erfahrene, kaufkräftige Reisende. Luxusreisende verlangen authentische, individuelle und genussorientierte Angebote. Dabei sind nicht nur große Hotels gefragt, auch kleinere, exklusive Boutique-Hotels, private Ferienhäuser und Glamping sind unter Luxusreisenden gefragt. Das ist auch eine Chance für kleinere Betriebe und private Anbieter.

Erfolgsfaktoren für Luxusbetriebe sind erlebnisreiche und prestigeträchtige Angebote, Individualität und Exklusivität, ein hohes Maß an Service, Top-Ausstattung und Top-Lage.

Kettenbetriebe

Der Anteil der Markenhotellerie in den ostdeutschen Bundesländern beträgt aktuell 6 Prozent, im gesamten Bundesgebiet sind es 13 Prozent. Nur in den großen Städten liegen die Werte höher wie z. B. in Leipzig (32 Prozent), in Potsdam und Dresden (jeweils 22 Prozent), in Eisenach, Erfurt, Jena und Weimar (18 Prozent) und in Chemnitz (11 Prozent).

Erfolgsfaktoren für Kettenbetriebe sind ihre Finanzkraft, die Markenbildung, die Standardisierungs-möglichkeiten und die Diversifizierung.

Chancen für kleine, inhabergeführte Betriebe

Überwiegend kleine Betriebe prägen zu zwei Dritteln den ostdeutschen Beherbergungsmarkt. Vor allem in Thüringen und Sachsen stellen Pensionen und Gasthöfe etwa die Hälfte der Betriebe. In Mecklenburg-Vorpommern sind Ferienwohnungen und -häuser am stärksten verbreitet.

Die kleinen Betriebe, Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder Campingplätze, haben zukünftig gute Marktchancen, die es verstehen die genannten Erfolgsfaktoren auf den eigenen Betrieb zu übertragen. Diese Betriebe können ihre Marktstellung festigen, wenn sie in die Inszenierung des Themas sowie in die feste Verankerung und Vernetzung in der Region investieren.

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