Sparkassen leisten einen Beitrag zur Sicherung nachhaltiger Entwicklung

Berlin, 21. Januar 2019   Im Rahmen der Aktivitäten der Vereinten Nationen (VN) zur Umsetzung der 2015 beschlossenen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und der in diesem Zusammenhang stehenden Vorbereitung eines jährlich vorzulegenden Statusberichts zur Entwicklungsfinanzierung (“Financing for Development”), hat der frühere Vertreter des IWF bei den Vereinten Nationen und ehemalige Sonderberater des Geschäftsführenden Direktors des IWF, Axel Bertuch-Samuels, eine Analyse zur Rolle regionaler Kreditinstitute im Rahmen nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung vorgelegt, die die Aktivitäten und Wirkungen lokaler und regionaler Banken in verschiedene Ländern der Welt beleuchtet.  Die im Auftrag der Vereinten Nationen angefertigte Analyse ist kürzlich als Hintergrundpapier für den diesjährigen Bericht der Inter-Agency Task Force on Financing for Development aufgenommen worden.

In dem Papier mit dem Titel “Financial Sector Development – The role of effective local banking Structures” (Entwicklung des Finanzsektors – Die Rolle effektiver Lokalbankstrukturen) wird u.a. die historische und aktuelle Bedeutung des deutschen Sparkassenmodells und den Beitrag der Sparkassen (und Genossenschaftsbanken) zur Sicherung von nachhaltiger regionaler Entwicklung in Deutschland betont.

Ausgehend davon, dass „Sparsamkeit das Herzstück der Ersparnisbildung und der Kapitalakkumulation darstellt, und wenn Ersparnisse effektiv in Unternehmensfinanzierung umgewandelt und produktiv eingesetzt werden, dies wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung (schafft)“, wird zunächst dargestellt, dass jüngste Weltbankdaten zeigen, dass sich in Entwicklungsländern in den letzten Jahren der Zugang ärmerer Haushalte zu Finanzdienstleistungen verbessert hat und dass auch diese Bevölkerungsgruppe spart. Allerdings spart sie häufig eher über informelle Wege und Mechanismen, d.h. oft in dörflichen Sparclubs, durch Geldanlagen in Schmuck oder durch die simple Bargeldhortung daheim. Nur 31 Prozent der Menschen in Entwicklungsländern, die ein Bankkonto haben, hätten in den letzten 12 Monaten bei einer Bank oder Finanzinstitution auf einem Sparkonto gespart. 

Das Papier macht auf folgende Zusammenhänge aufmerksam:

  • In Anerkennung der Tatsache, dass private Wirtschaftsaktivitäten, Investitionen und Innovationen Schlüsseltriebkräfte für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sind hat die VN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung 2015 in Addis Abeba (Addis-Agenda) die Bedeutung von Rahmenbedingungen, die einer Mobilisierung von privatem Kapital förderlich sind hervorgehoben und angeregt.
  • Die Bedeutung der finanziellen Inklusion wird im Rahmen der VN-Strategie zur nachhaltigen Entwicklung hervorgehoben, insbesondere die Stärkung der Fähigkeit nationaler Finanzsektoren, einen verbesserten Zugang zu Bank-, Versicherungs- und  anderen Finanzdienstleistungen für breite Schichten der Bevölkerung zu schaffen und langfristig vorzuhalten.
  • Betont wird die Bedeutung von Mikro- sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung.
  • Verwiesen wird darauf, dass die VN bereits in ihrer Addis-Abeba-Agenda 2015 zurecht auf die Bedeutung eines stabilen und bezahlbaren Finanzdienstleistungsangebots für eine vebesserte wirtschaftliche und soziale Entwicklung hingewiesen hat.
  • Hingewiesen wird auf weltweite Untersuchungen, die ergeben haben, dass die Problematik des Zugangs zu angemessener Finanzierung eines der Haupthindernisse der ökonomischen Entwicklung des mikro, kleinen und mittleren Unternehmenssektors ist.
  • Aufmerksam gemacht wird darauf, dass die Weltbank bereits in ihrem Entwicklungsfinanzierungsbericht 2014 darauf hinweist, dass in Entwicklungsländern mit niedrigem Einkommen, in denen ein hoher Anteil an Spar- und Kreditgenossenschaften und Mikrofinanzinstituten besteht, ein besserer Zugang zu Finanzdiensleistungen feststellbar ist. Derselbe Weltbankbericht enthält auch die Schlussfolgerung, dass eine diversifizierte Bankenlandschaft mit verstärktem Wettbewerb im Finanzbereich auch mit einem verbesserten Zugang zu Finanzmitteln einhergeht. Demnach erleichtert Bankenvielfalt Wirtschaftswachstum und die Bekämpfung der ökonomischen Ungleichheit in einer Gesellschaft.
  • Erfahrungen während der globalen Finanzkrise und der ihr folgenden Rezession hätten überdies gezeigt, dass ein diversifiziertes Bankensystem  stabilisierenden Einfluss auf Konjunkturentwicklung und Finanzsystem ausüben können. Hier wird insbesondere Deutschland und die Tatsache hervorgehoben, dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Verlauf der Krise ihre Kreditvergabe sogar noch ausgebaut haben, während private Banken ihre Unternehmens-Kreditvergabe eher einschränkten. Dies bestätigten nicht nur offizielle Statistiken der Bundesbank, sondern auch entsprechende Unternehmensumfragen.
  • Das Hintergrundpapier betont, dass institutionell diversifizierte Finanzsysteme, die durch effektive lokale Bankstrukturen gekennzeichnet sind, gut dazu geeignet sind, Einzelpersonen und kleinen Unternehmen Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten sicherzustellen und zu einem ausgewogenem Wachstum beizutragen. Solche Strukturen würden, international betrachtet, in Mikrofinanz-Instituten, Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu finden sein.
  • Insbesondere die historische Leistung der deutschen Sparkassen für die Wirtschaftsentwicklung wird hervorgehoben. So schlussfolgert der Autor, dass es nach Analyse der deutschen Sparkassenentwicklung offensichtlich möglich ist, wirtschaftlich effizient operierende sowie ertragsmässig erfolgreiche Finanzinstitutionen zu schaffen, deren Geschäftsmodell allerdings nicht an Profitmaximierung ausgerichtet ist, und die stattdessen ein Mandat zur langfristigen Unterstützung der lokalen Wirtschaftsentwicklung haben und auch soziale Ziele verfolgen. 
  • Um dauerhaft im Wettbewerb erfolgreich zu sein sollten solche Kreditinstitute ihr Hauptaugenmerk auf die Mobilisierung von Ersparnissen in ihrer Region legen, dort nachhaltiges Kunden-Vertrauen aufbauen und sichern, sowie auf eine langfristig angelegte lokale bzw. regionale Hausbankbeziehung hinarbeiten.