Berlin, 9. August 2012 Der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Claus Friedrich Holtmann, hat klargestellt, dass „Rettungsschirme“ im Rahmen der Finanzkrise das Sparvermögen in Deutschland nicht gefährden dürfen. „Es geht nicht an, dass Rettungspakete in Europa zur Inflation und Gefährdung der Sparguthaben in Deutschland führen. Der Europäische Rettungsschirm darf deutsche Sparkassenkunden nicht im Regen stehen lassen.“
Holtmann: „Offenbar sind die Sparer durch die vielen, für sie oft undurchschaubaren Krisenmeldungen verunsichert. Wir stellen fest, dass sie verstärkt auf Sicherheit setzen und in Wohneigentum investieren.“
Holtmann stellt klar: „Sparkassenkunden haben aber keinen Anlass zur Sorge. Sparkassen investieren in die Region und nicht an den Finanzmärkten. Darüber hinaus werden die Bilanzen der eigenkapitalstarken brandenburgischen Sparkassen nicht durch Papiere aus Krisenstaaten belastet.“
Brandenburgs Sparkassen bleiben Partner der Wirtschaft
Im ersten Halbjahr 2012 stieg das Kreditvolumen bei den elf brandenburgischen Sparkassen um 201 Mio. Euro (2,4 Prozent) auf 8,7 Mrd. Euro. Im Segment Unternehmen und Selbstständige wuchs das Kreditvolumen im ersten Halbjahr um 117 Mio. Euro und somit 3,5 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro. Im Bereich der Privatkunden entwickelte sich das Wachstum im ersten Halbjahr leicht moderater. Es lag bei 89 Mio. Euro (2,6 Prozent). Der Kreditbestand erreichte hier ebenfalls rund 3,5 Mrd. Euro.
Der Kreditbestand berücksichtigt nicht nur neu vergebene Kredite, sondern auch Tilgungen für bestehende Kredite. Rückschlüsse auf aktuelle Kreditnachfrage lässt daher eher die Vergabe neuer Kredite zu. Die brandenburgischen Sparkassen vergaben in den ersten sechs Monaten neue Kredite an Unternehmen und Selbstständige in Höhe von 356 Mio. Euro. Damit konnte das überdurchschnittlich gute Ergebnis des Vorjahresvergleichszeitraums (386 Mio. Euro) nicht ganz erreicht werden. Die Kreditvergabe liegt aber immer noch deutlich über der des als Krisenjahr empfunden Jahres 2010 (310 Mio. Euro).
Der aktuelle Marktanteil der brandenburgischen Sparkassen an den Krediten für wirtschaftlich Selbstständige beträgt 45,7 Prozent. Er wurde in den letzten zwölf Monaten leicht ausgebaut (+0,4 Prozent-Punkte). Im Handwerk liegt er bei 78,4 Prozent.
„Sparkassen bleiben die Hausbank des heimischen Mittelstandes“, bekräftigte Holtmann. „Auch in schwierigen Zeiten freuen wir uns über Unternehmer mit guten Ideen und überzeugenden Konzepten, die Kredite aufnehmen wollen. Wir stellen aber eine zurückgehende Nachfrage fest. Offenbar beginnen Unternehmen damit, verstärkt auf Rücklagen zurückzugreifen, ehe sie neue Kredite aufnehmen oder aber sie halten sich bei Investitionen zurück.“
Trend zum Eigenheim hält an
Nach wie vor hoch war die Kreditneuvergabe im Bereich der Privatkunden. In den ersten sechs Monaten vergaben die brandenburgischen Sparkassen hier neue Kredite in Höhe von 389 Mio. Euro und somit 70 Mio. Euro oder 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Großteil der aufgenommenen Kredite floss in den Neubau oder Erwerb von Eigenheimen. In den ersten sechs Monaten des Jahres bewilligten die brandenburgischen Sparkassen Wohnungsbaukredite in Höhe von 297 Mio. Euro. Das waren 27,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „In als unsicher empfundenen Zeiten wird Wohneigentum als größtmögliche Sicherheit angesehen“, so Holtmann.
Kunden suchen Sicherheit
In der Regel geben die Sparkassenkunden im ersten Halbjahr mehr Geld aus als im zweiten Halbjahr, was sich jeweils in sinkenden Einlagenbeständen niederschlägt. In diesem Jahr fiel dieser Rückgang signifikant niedriger aus als in den Vorjahren. Gleichzeitig setzten die Kunden auf sichere Anlagen.
In den ersten sechs Monaten des Jahres sank der Einlagenbestand bei den brandenburgischen Sparkassen nur um 73 Mio. Euro oder 0,4 Prozent auf 19,1. Mrd. Euro. Im Vorjahreszeitraum lag der Rückgang noch bei 134 Mio. Euro oder 0,7 Prozent.
Tendenziell setzten die Kunden auf Spareinlagen mit einer normalen Verzinsung. Hier stieg der Bestand nur um 30 Mio. Euro auf 1,1 Mrd. Euro. Termingelder (-6,4 Prozent) und Eigenemissionen (-2,9) waren weniger gefragt.
Etwas schwächer als im Vorjahr war der Wertpapierhandel. Die Käufe der Kunden lagen im ersten Halbjahr bei rund 454 Mio. Euro, die Verkäufe bei 328 Mio. Euro. Die entsprechenden Werte des Vorjahres lagen bei 559 Mio. Euro (Käufe) bzw. 418 Mio. Euro Verkäufe.
Sparkassen zufrieden mit Geschäftsentwicklung
Aufgrund von Kostensteigerungen, vor allem aufgrund der Tarifabschlüsse erwarten die Sparkassen in Brandenburg ein leicht geringeres Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,54 Prozent der DBS. Die bilanzielle Eigenkapitalrentabilität wird bei 17,8 Prozent liegen (Vorjahr 16,4 Prozent), die Cost-Income-Ratio bei 52,5.


