Ermrich: Sparkassen gegen Niedrigzinsen und Regulierung gewappnet

Erneut Anstieg bei Kreditvergabe – Plus bei Einlagen

Berlin, 15. Februar 2017   Die 45 Mitgliedssparkassen im Ostdeutschen Sparkassenverband sind gut durch das Geschäftsjahr 2016 gekommen. Sowohl bei der Kreditvergabe als auch bei den Einlagen verzeichneten sie ein Plus, erläuterten der Geschäftsführende OSV-Präsident, Dr. Michael Ermrich, und der Verbandsgeschäftsführer, Wolfgang Zender, am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. Dennoch belasteten Niedrigzinsphase und Bankenregulierung die Ergebnisse einzelner Sparkassen deutlich.

Der sinkende Zinsüberschuss belaste die Sparkassen stark, erläuterte Ermrich. Durch konsequente Einsparungen u.a. bei den Sachausgaben hätten sie aber den Herausforderungen getrotzt. Ermrich betonte „Unsere Sparkassen sind für die Herausforderungen gerüstet. Sie haben sich als Marktführer bewährt. Sie sind flexibel, bieten ihre Leistungen auch in der Fläche an, kennen die Kundenbedürfnisse und bieten dafür passende Lösungen an. Sie sind multikanal erreichbar, innovativ und genießen großes Kundenvertrauen.“

Kein Verständnis zeigte er für die „überbordende Regulierung“. Beispielhaft verwies er auf die Wohnimmobilienkreditrichtlinie und die neu geplanten aufsichtsrechtlichen Instrumente zur Verhinderung von Immobilienblasen.

Scharf kritisierte Ermrich die Pläne von Europäischer Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und EZB, die Struktur von Aufsichtsgremien zu verändern. Von Mitgliedern von Verwaltungsräten der Sparkassen sollen die gleichen Qualifikationen gefordert werden wie von Aufsichtsräten von Großbanken. Personen, die aktuell oder in den zurückliegenden Jahren politische Ämter innehatten, dürfen nicht mehr Mitglieder von Verwaltungsräten werden - geht es nach diesen Plänen.
Genannt werden u.a. Regierungsmitglieder, Bürgermeister, Beschäftigte im Öffentlichen Dienst und Repräsentanten des Staates.

Dies betrifft auch Trägervertreter, die das Interesse der Gesellschaft vor Ort repräsentieren, bemängelte Ermrich. „Diese sind längst in der Lage, die Sparkassengeschäfte zu verstehen und zu kontrollieren. Außerdem sind sie unentbehrlich, um den öffentlichen Auftrag am Leben zu halten und für dessen Erfüllung die Rahmen zu setzen.“

„Sowohl die EZB als auch die EBA vermuten einen Interessenkonflikt, wenn ein Mitglied im Aufsichtsorgan eine Position mit hohem politischem Einfluss bekleidet. Sie verkennen, dass die kommunalen Vertreter in den Verwaltungsräten der Sparkassen der Natur der Sache nach keinen „institutsfremden" Einfluss auf die Institute ausüben. Vielmehr ist ihre Einbindung in die Kontrollgremien der Sparkassen ihrer besonderen kommunalen Anbindung geschuldet. Sie ist wichtig für die Erfüllung der öffentlichen Aufgaben im öffentlich-rechtlichen Sparkassenwesen“, so Ermrich. „Es zeigt sich, dass in Europa eben nicht alles identisch ist, was ein Kreditinstitut ist, und folglich auch nicht mit Pauschalannahmen bzw. Vorgaben reguliert werden kann.“

Geschäftsentwicklung der OSV-Mitgliedssparkassen

Kreditvergabe steigt

Die Kreditnachfrage boomt weiter. 2016 vergaben die Sparkassen neue Kredite in Höhe von 10,5 Mrd. Euro (+ 3,1 Prozent), davon 5,3 Mrd. Euro. für Unternehmen und Selbständige (+ 8,3 Prozent) und 4,1 Mrd. Euro an Privatpersonen (- 1,3 Prozent).

Ein Rückgang ergab sich bei den privaten Wohnungsbaufinanzierungen. Hier bewilligten die Sparkassen neue Kredite in Höhe von 3,3 Mrd. Euro (- 1 Prozent). Dieser Rückgang könne auf die Wohnimmobilienkreditrichtlinie zurückgeführt werden.

Das Kreditvolumen stieg 2016 auf 50 Mrd. Euro (+ 8,1 Prozent), davon entfielen 22,6 Mrd. Euro (+ 13,6 Prozent) auf Unternehmen und Selbständige und 20 Mrd. Euro (+ 7,8 Prozent) auf Privatpersonen sowie 6,3 Mrd. Euro auf die öffentlichen Haushalte.

Einlagenwachstum hält an – Plus bei kurzfristig verfügbaren Anlagen

Die Einlagen der Sparkassenkunden stiegen 2016 erneut, und zwar um 3,6 Prozent auf 96,3 Mrd. Euro, das gesamte Geldvermögen bei den Sparkassen auf über 124 Mrd. Euro (+ 3,5 Prozent). Damit verzeichneten die OSV-Sparkassen zum zehnten Mal ein Einlagenwachstum.

Besonders begehrt waren bei den Sparern 2016 Spareinlagen mit einem Anstieg von 26,4 Prozent und Sichteinlagen (+ 9,7 Prozent).

Erneut gefragt waren Wertpapiere. Der Umsatz im Kundenwertpapiergeschäft betrug 7,1 Mrd. Euro (- 7,3 Prozent), der Nettoabsatz lag bei 985 Mio. Euro (+ 14,4 Prozent).

Weiter engagiert für Gemeinwohl

Im vergangenen Jahr stellten die Sparkassen und ihre Stiftungen 57,4 Mio. Euro für Sponsoringvorhaben und Stiftungsprojekte aus den Bereichen Sport, Kultur, Jugend, Soziales, Umweltschutz und Forschung zur Verfügung. Der Wert liegt leicht unter dem des Vorjahres (59,9 Mio. Euro).

OSV-Sparkassen behaupten sich

Erneut erreichten die ostdeutschen Sparkassen mit 1,14 Prozent der DBS (1,3 Mrd. Euro) nahezu den Vorjahreswert und somit ein zufriedenstellendes Betriebsergebnis vor Bewertung. Zugleich zahlten die OSV-Sparkassen Steuern im Inland in Höhe von rund 369 Mio. Euro, etwa 9 Mio. Euro mehr als 2015.

Die Cost-Income-Ratio lag 2016 bei 59,1 Prozent und war damit etwas besser als im Vorjahr (59,5 Prozent). Der vergleichbare Wert der großen deutschen Privatbanken bewegte sich deutlich über 80 Prozent.

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