Sparkassen-Tourismusbarometer für Brandenburg

Brandenburg weiter auf Erfolgskurs – Brandenburger Seen, Camping, Outdoor-Aktivitäten und Potsdam besonders gefragt

Rheinsberg, 14. September 2018  Brandenburg-Besucher schätzen die Seen, naturnahe Outdoor-Aktivitäten und Camping. Ein Besuchermagnet bleibt auch Potsdam. Dies geht aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2018 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, dessen Brandenburg-Ergebnisse der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, am Freitag in Rheinsberg vorstellte.

Der Brandenburg-Tourismus befindet sich im Aufwärtstrend. Das bestätigt auch die nun vorliegende Halbjahresbilanz. Sie weist sowohl einen Anstieg der Zahl der Ankünfte Januar bis Juni 2018 um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus als auch ein Plus bei der Zahl der Übernachtungen um 4,9 Prozent. Die brandenburgischen Betriebe meldeten im ersten Halbjahr 2018 2,3 Millionen Gästeankünfte und 6,05 Millionen Übernachtungen. Für das gesamte Jahr 2017 lag der Zuwachs bei den Übernachtungen bei 1,6 Prozent. Im vergangenen Jahr erzielten insbesondere die südlichen Reisegebiete Zuwächse bei den Übernachtungen von jeweils 4 Prozent und mehr.

„Bei aller Freude über steigende Gästezahlen sollten wir vor allem darauf achten, dass unsere Gäste zufrieden sind. Erfolg im Tourismus braucht eine konsequente Qualitätsorientierung und kundennahe Ausrichtung“, betonte Ermrich und forderte die Touristiker auf, vorhandene Informationsquellen zu nutzen: „Mit dem Sparkassen-Tourismusbarometer möchten wir auch aufzeigen, welche Chancen die Digitalisierung bietet, Informationsquellen zu erschließen. Denn um zu wissen, was Gäste wollen, brauchen wir ein leistungsfähiges Tourismus-Monitoring und ein flexibles Daten-management.“

Die wachsende Bedeutung des Tourismus spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. So stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe an der Gesamtheit aller sozial-versicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg von 3,5 Prozent im Jahr 2014 auf 3,7 Prozent im Jahr 2017 an.

Gäste insgesamt zufrieden

Die Gäste in Brandenburg sind insgesamt zufrieden. Das Land erreichte 2017 einen Trust Score von 81,8 Punkten, das sind 0,1 Punkte mehr als 2016 und bleibt damit deutlich unter dem ostdeutschen Trust Score (82,5 Punkte) und unter dem deutschlandweiten Wert (82,8 Punkte). Der Trust Score fasst Gästebewertungen auf über 30 Onlineplattformen für Hotels zu einem Gesamtwert der Gästezufriedenheit zusammen, maximal 100 Punkte können erreicht werden.

Die Zufriedenheit der Gäste ist in den brandenburgischen Reisegebieten recht unterschiedlich. Der Trust Score erreichte 2017 überdurchschnittlich gute Werte im Elbe-Elster-Land (86,5 Punkte), Niederlausitz (84,8 Punkte), Prignitz (84,7 Punkte), Uckermark (82,7 Punkte) und auch noch im Spreewald (82,5 Punkte), Dahme-Seenland (82,2 Punkte), Ruppiner Seenland (82,1 Punkte) und das Lausitzer Seenland (82 Punkte). Unter dem Landesdurchschnitt lagen knapp das Havelland (81,3 Punkte), Seenland Oder-Spree (81,1 Punkte) und bereits deutlicher der Fläming und Potsdam (jeweils 80,6 Punkte) und als Schlusslicht das Barnimer Land (76,6 Punkte).

Das Tourismusbarometer sieht kaum Serviceprobleme bei den Hotels. Der Service erreicht in Brandenburg Werte von etwa 90 Punkten, das entspricht dem deutschlandweiten Wert. Die Kunden bewerten die Außenanlagen gut ebenso wie das Essen und Trinken. Negativbewertungen werden bei Zimmern und Gebäuden sowie Preisen abgegeben und insbesondere bei der WLAN-Versorgung (knapp über 60 Punkte).

Reisegebiete überwiegend im Plus

Die Halbjahresbilanz in den Reisegebieten Brandenburgs fällt insgesamt positiv aus. Im ersten Halbjahr 2018 verzeichneten die Betriebe im Havelland (+ 12,1 Prozent) überdurchschnittliche Zuwächse bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum ebenso wie in der Uckermark
(+ 8,2 Prozent), Prignitz (+ 7,5 Prozent), Lausitzer Seenland (+ 7,2 Prozent), Potsdam (+ 6,9 Prozent) und im Spreewald (+ 6,6 Prozent). Etwa im Landesdurchschnitt erreichten aber auch der Fläming und Dahme-Seenland (jeweils + 4 Prozent) mehr Übernachtungen als im ersten Halbjahr 2017 und auch im Barnimer Land (+ 2,9 Prozent) und Seenland Oder-Spree (+ 2,6 Prozent) wuchs die Nachfrage. Elbe-Elster-Land (+ 0,5 Prozent), Niederlausitz (+ 0,4 Prozent) und Ruppiner Seenland (0 Prozent) bildeten die Schlusslichter in der Halbjahresbilanz.

Betriebe wirtschaftlich stabiler

Die brandenburgischen Beherbergungsbetriebe erweisen sich als zunehmend wirtschaftlich stabiler. Das zeigen die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. So verbesserte sich die Umsatzrendite der Betriebe von durchschnittlich 4,9 Prozent im Zeitraum 2004 bis 2009 auf durchschnittlich 7 Prozent im Zeitraum 2010 bis 2016.

Gäste suchen das Besondere – Strategien für Beherbergungsmarkt

Betriebe müssen sich fragen: Was verlangen die Gäste? Gefordert sind hier auch Tourismusorganisationen, Branchenverbände und die öffentliche Hand. Sie können und müssen den Wandel im Beherbergungsmarkt strategisch unterstützen. Als Zukunftstrends benennt das Tourismusbarometer neben Low Budget Konzepten individuelle Angebote mit spezifischen Themenkonzepten. Auch die Ausrichtung als Luxusbetriebe und die Kettenhotellerie sind erfolgversprechende Strategien.

Budgetangebote: Moderne Low Budget Hotels haben sich mit durchdachten Geschäftsmodellen vom verstaubten Image entfernt und erreichen heute einen beachtlichen Teil des Branchenumsatzes. In der Regel bieten die Betriebe ihren Gästen nur Leistungen an, die tatsächlich von ihnen erwartet und benötigt werden. Viele Betriebe verzichten auf ein Hotelrestaurant und der Rezeptionist ist häufig auch für die Bar verantwortlich. Somit kommen die betriebsinternen Prozesse mit weniger Personal aus und sind hochstandardisiert. Dabei bieten sie oftmals modernes Design und Ambiente. Erfolgsfaktoren von Budget-Betrieben sind Prozessstandards, Effizienz, hohe Zimmerzahl und ein optimales Preis- / Leistungsverhältnis.

Konzeptbetriebe: Die Gäste wünschen sich eine klare Positionierung und möchten authentische Erlebnisse. Anbieter brauchen ein eigenes „Thema“ oder müssen die Angebote auf die besonderen Wünsche von Zielgruppen, z. B. Radler oder Familien mit Kindern, ausrichten. Hier gibt es Nachholbedarf. Nur etwa ein Drittel aller Betriebe in Brandenburg vermarkten ein klares Profil, Brandenburg entspricht damit dem ostdeutschlandweiten Wert. Erfolgsfaktoren von Themen- und Konzeptbetrieben sind eine Nischenstrategie, der Zielgruppenfokus, Authentizität und die Vermeidung von Standards.

Luxusbetriebe: Hauptzielgruppe für Luxusangebote sind erfahrene und kaufkräftige Reisende. Luxusreisende verlangen authentische, individuelle und genussorientierte Angebote. Dabei sind nicht nur große Hotels gefragt, auch kleinere, exklusive Boutique-Hotels, private Ferienhäuser und Glamping sind unter Luxusreisenden beliebt. Das ist auch eine Chance für kleinere Betriebe und private Anbieter. Erfolgsfaktoren für Luxusbetriebe sind erlebnisreiche und prestigeträchtige Angebote, Individualität und Exklusivität, ein hohes Maß an Service, Top-Ausstattung und beste Lage. In Brandenburg gibt es nur ein Luxushotel.

Kettenbetriebe: Der Anteil der Markenhotellerie in Brandenburg liegt bei
5 Prozent, im gesamten Bundesgebiet sind es 13 Prozent, ostdeutschlandweit 6 Prozent. Selbst in den größeren brandenburgischen Städten sind die Marktanteile der Kettenhotellerie verhältnismäßig gering. So hat die Kettenhotellerie in Potsdam den höchsten Marktanteil mit 22 Prozent gefolgt von Cottbus 17 Prozent und Brandenburg/Havel 6 Prozent. Erfolgsfaktoren für Kettenbetriebe sind ihre Finanzkraft, die Markenbildung, die Standardisierungsmöglichkeiten und die Diversifizierung.

Chancen für kleine, inhabergeführte Betriebe

Überwiegend kleine Betriebe prägen zu zwei Dritteln den ostdeutschen Beherbergungsmarkt. In Brandenburg stellen Betriebe mit weniger als 30 Betten 55 Prozent der Betriebe und 19 Prozent der Betten. Die kleinen Betriebe, Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder Campingplätze haben zukünftig gute Marktchancen, die es verstehen die genannten Erfolgsfaktoren auf den eigenen Betrieb zu übertragen. Diese Betriebe können ihre Marktstellung festigen, wenn sie in die Inszenierung des Themas sowie in die feste Verankerung und Vernetzung im jeweiligen Tourismusgebiet investieren.

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