Sparkassen-Tourismusbarometer für Sachsen-Anhalt – Events und Jubiläen beflügeln Tourismus

Rückenwind für Sachsen-Anhalt

Blankenburg/Harz, 20. September 2018   Das Reformationsjubiläum hat dem Tourismus in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr wichtige Impulse gegeben. Fast alle Reisegebiete verzeichneten 2017 deutliche Zuwächse bei den Übernachtungen, die Kultur- und Freizeiteinrichtungen hatten mehr Besucher. Die Aufnahme des Naumburger Doms auf die UNESCO-Welterbeliste und das Jubiläum der Straße der Romanik in diesem Jahr sowie das Bauhaus-Jubiläum im nächsten Jahr werden den Tourismus weiter beflügeln. Dies geht aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2018 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, dessen Ergebnisse für Sachsen-Anhalt der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, am Donnerstag im Kloster Michaelstein in Blankenburg/Harz vorstellte.

Der Sachsen-Anhalt-Tourismus ist auf Erfolgskurs. Das bestätigt auch die nun vorliegende Halbjahresbilanz. Sie weist sowohl einen Anstieg der Zahl der Ankünfte Januar bis Juni 2018 um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum aus als auch ein Plus bei der Zahl der Übernachtungen um 0,9 Prozent. Die Betriebe in Sachsen-Anhalt meldeten im ersten Halbjahr 2018 1,58 Millionen Gästeankünfte und 3,76 Millionen Übernachtungen. Für das gesamte Jahr 2017 lag der Zuwachs bei den Übernachtungen bei 4,4 Prozent. Im vergangenen Jahr erzielten fast alle Reisegebiete Zuwächse bei den Übernachtungen, insbesondere profitierten die Reisegebiete mit Angeboten zum Reformationsjubiläum. Nun gilt es, aus den Events und Jubiläen eine nachhaltige Wirkung zu erzeugen.

„Bei aller Freude über steigende Gästezahlen sollten wir vor allem darauf achten, dass unsere Gäste zufrieden sind. Erfolg im Tourismus braucht eine konsequente Qualitätsorientierung und kundennahe Ausrichtung“, betonte Ermrich und forderte die Touristiker auf, vorhandene Informationsquellen zu nutzen: „Mit dem Sparkassen-Tourismusbarometer möchten wir auch aufzeigen, welche Chancen die Digitalisierung bietet, Informationsquellen zu erschließen. Denn um zu wissen, was Gäste wollen, brauchen wir ein leistungsfähiges Tourismus-Monitoring und ein flexibles Daten-management.“

Gäste insgesamt zufrieden


Die Gäste in Sachsen-Anhalt sind insgesamt zufrieden. Das Land erreichte 2017 einen Trust Score von 81,7 Punkten, das sind 0,5 Punkte mehr als 2016 und bleibt damit deutlich unter dem ostdeutschen Trust Score (82,5 Punkte) und unter dem deutschlandweiten Wert (82,8 Punkte). Der Trust Score fasst Gästebewertungen auf über 30 Onlineplattformen für Hotels zu einem Gesamtwert der Gästezufriedenheit zusammen, maximal 100 Punkte können erreicht werden.

Die Zufriedenheit der Gäste ist in den Reisegebieten von Sachsen-Anhalt recht unterschiedlich. Der Trust Score erreichte 2017 überdurchschnittlich gute Werte im Harz (83,1 Punkte) und in der Altmark (82 Punkte). Deutlich unter dem Landesdurchschnitt lagen Magdeburg, Elbe-Börde-Heide (80,6 Punkte), Anhalt-Wittenberg (80,3 Punkte) und das Schlusslicht Halle, Saale-Unstrut (79,3 Punkte).

Das Tourismusbarometer sieht kaum Serviceprobleme bei den Hotels. Der Service erreicht in Sachsen-Anhalt Werte von knapp unter 90 Punkten, der deutschlandweite Wert liegt etwas höher bei 90 Punkten. Die Kunden bewerten die Außenanlagen gut, ebenso wie das Essen und Trinken. Negativbewertungen werden bei Zimmern und Gebäuden sowie Preisen abgegeben und insbesondere bei der WLAN-Versorgung (knapp unter 60 Punkte). Im deutschlandweiten Vergleich der Bewertungskategorien fällt auf, dass in Sachsen-Anhalt fast alle Kategorien schlechter beurteilt werden als im Bundesdurchschnitt. Bei der Zufriedenheit in Sachsen-Anhalt gibt es fast überall Aufholbedarf.

Reisegebiete fast alle im Plus


Die Halbjahresbilanz in den Reisegebieten Sachsen-Anhalts fällt insgesamt positiv aus. Im ersten Halbjahr 2018 verzeichneten die Betriebe im Harz und Harzvorland (+ 4,4 Prozent) überdurchschnittliche Zuwächse bei den Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum ebenso wie in Magdeburg, Elbe-Börde-Heide (+ 2,6 Prozent) und Altmark (+ 2,3 Prozent). Halle, Saale-Unstrut verharrte etwa auf Vorjahresniveau (+ 0,2 Prozent). Einzig Anhalt-Wittenberg (- 9,4 Prozent) konnte sein gutes Vorjahresergebnis nicht halten.

Betriebe wirtschaftlich erfolgreicher

Die Beherbergungsbetriebe in Sachsen-Anhalt arbeiten zunehmend rentabler.

So verbesserte sich die Umsatzrendite der Betriebe leicht von durchschnittlich 3,3 Prozent im Zeitraum 2004 bis 2009 auf durchschnittlich 3,7 Prozent im Zeitraum 2010 bis 2016.

Die wachsende Bedeutung des Tourismus spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. So stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe an der Gesamtheit aller sozialversicherungs-pflichtig Beschäftigten in Sachsen-Anhalt von 2,7 Prozent im Jahr 2014 auf 2,9 Prozent im Jahr 2017 an.

Gäste suchen das Besondere – Strategien für Beherbergungsmarkt


Betriebe müssen sich fragen: Was verlangen die Gäste? Gefordert sind hier auch Tourismusorganisationen, Branchenverbände und die öffentliche Hand. Sie können und müssen den Wandel im Beherbergungsmarkt strategisch unterstützen. Als Zukunftstrends benennt das Tourismusbarometer neben Low Budget Konzepten individuelle Angebote mit spezifischen Themenkonzepten. Auch die Ausrichtung als Luxusbetriebe und die Kettenhotellerie sind erfolgversprechende Strategien.

Budgetangebote: Moderne Low Budget Hotels haben sich mit durchdachten Geschäftsmodellen vom verstaubten Image entfernt und erreichen heute einen beachtlichen Teil des Branchenumsatzes. In der Regel bieten die Betriebe ihren Gästen nur Leistungen an, die tatsächlich von ihnen erwartet und benötigt werden. Viele Betriebe verzichten auf ein Hotelrestaurant und der Rezeptionist ist häufig auch für die Bar verantwortlich. Somit kommen die betriebsinternen Prozesse mit weniger Personal aus und sind hochstandardisiert. Dabei bieten sie oftmals modernes Design und Ambiente. Erfolgsfaktoren von Budget-Betrieben sind Prozessstandards, Effizienz, hohe Zimmerzahl und ein optimales Preis- / Leistungsverhältnis.

Konzeptbetriebe: Die Gäste wünschen sich eine klare Positionierung und möchten authentische Erlebnisse. Anbieter brauchen ein eigenes „Thema“ oder müssen die Angebote auf die besonderen Wünsche von Zielgruppen, z. B. Radler oder Familien mit Kindern, ausrichten. Hier gibt es Nachholbedarf. Nur etwa ein Drittel aller Betriebe in Sachsen-Anhalt vermarkten ein klares Profil, Sachsen-Anhalt entspricht damit dem ostdeutschlandweiten Wert. Erfolgsfaktoren von Themen- und Konzeptbetrieben sind eine Nischenstrategie, der Zielgruppenfokus, Authentizität und die Vermeidung von Standards.

Luxusbetriebe: Hauptzielgruppe für Luxusangebote sind erfahrene und kaufkräftige Reisende. Luxusreisende verlangen authentische, individuelle und genussorientierte Angebote. Dabei sind nicht nur große Hotels gefragt, auch kleinere, exklusive Boutique-Hotels, private Ferienhäuser und Glamping sind unter Luxusreisenden beliebt.

Das bietet auch kleineren  Betrieben und privaten Anbietern Perspektiven. Erfolgsfaktoren für Luxusbetriebe sind erlebnisreiche und prestigeträchtige Angebote, Individualität und Exklusivität, ein hohes Maß an Service, Top-Ausstattung und beste Lage. In Sachsen-Anhalt gibt es nur ein Luxushotel.

Kettenbetriebe: Der Anteil der Markenhotellerie in Sachsen-Anhalt liegt bei
5 Prozent, im gesamten Bundesgebiet sind es 13 Prozent, ostdeutschlandweit 6 Prozent. Die meisten Anteile von Kettenhotels am Bettenangebot in den Reisegebieten insgesamt gibt es in den Reisegebieten Halle, Saale-Unstrut (8 Prozent), Anhalt-Wittenberg und Harz und Harzvorland (jeweils 5 Prozent). Unterdurchschnittlich repräsentiert sind Kettenhotels in Magdeburg, Elbe-Börde-Heide (4 Prozent) und Altmark (3 Prozent).

Erfolgsfaktoren für Kettenbetriebe sind ihre Finanzkraft, die Markenbildung, die Standardisierungs-möglichkeiten und die Diversifizierung.

Chancen für kleine, inhabergeführte Betriebe

Überwiegend kleine Betriebe prägen zu zwei Dritteln den ostdeutschen Beherbergungsmarkt. In Sachsen-Anhalt stellen Gasthöfe und Pensionen 38 Prozent der Betriebe und 8 Prozent der Betten. Die kleinen Betriebe, Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder Campingplätze haben zukünftig gute Marktchancen, wenn Sie es verstehen die genannten Erfolgsfaktoren auf den eigenen Betrieb zu übertragen. Diese Betriebe können ihre Marktstellung festigen, wenn sie in die Inszenierung des Themas sowie in die feste Verankerung und Vernetzung im jeweiligen Tourismusgebiet investieren.

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