Frühjahrstagung für Sparkassenvorstände 2017

Von der Strategie zur Umsetzung

Berlin/Potsdam, 12. Juni 2017  Unter dem Motto „Von der Strategie zur Umsetzung“ trafen sich Anfang Juni die Vorstände aus den Mitgliedssparkassen des OSV und des SGVSH sowie Verbundeinrichtungen zur traditionellen Frühjahrstagung für Sparkassenvorstände in Potsdam. Strategische Aufgaben und sich daraus ergebende Entwicklungen und Handlungsfelder, Projektergebnisse sowie Umsetzungsmöglichkeiten wurden bei der diesjährigen Frühjahrstagung diskutiert.

Dr. Michael Ermrich - Geschäftsführender OSV-Präsident
Dr. Jukka Vesala - Director General, DG Microprudential Supervision 3, Europäische Zentralbank
Dr. Gertrud R. Traud - Chefvolkswirtin / Bereichsleiterin Volkswirtschaft/Research Helaba Landesbank Hessen-Thüringen
Robert Wehner - Akademieleiter Nord-Ostdeutsche Sparkassenakademie
Dr. Levin Holle - Abteilungsleiter Finanzmarktpolitik Bundesministerium der Finanzen
Auditorium
Podiumsdiskussion
Götz Bormann - Vorsitzender des Vorstandes Förde Sparkasse
Hans Laven - Vorsitzender des Vorstandes Sparkasse Paderborn-Detmold
Franz-Theo Brockhoff - Vorsitzender der Geschäftsführung Finanz Informatik GmbH & Co. KG
Ausstellermesse
Ulrich Dickamp - Geschäftsführer UDM Unternehmensberatung für Informationstechnologie GmbH
WP/StB Hermann Dreyer - Leiter der Prüfungsstelle Ostdeutscher Sparkassenverband
Ulrich Wolff - Vorsitzender des Vorstandes Sparkasse Vorpommern
Auditorium
Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis - Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Deutscher Sparkassen- und Giroverband
Slatco Sterzenbach - Motivationstrainer und Autor

Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV),  eröffnete die Vorstandstagung. In seiner Rede betonte er, dass bei der Diskussion um Negativzinsen und Verwahrentgelte und deren betriebswirtschaftliche Effekte, auch immer die Kundenbeziehung und das Vertrauen der Kunden in die Sparkassen an erster Stelle stehen müssen.

Im Anschluss erläuterte Dr. Jukka Vesala, Generaldirektor Mikroprudenzielle Aufsicht III bei der Europäischen Zentralbank (EZB), wie eng die EZB mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet, um eine konsistente und hohe Aufsichtsqualität im Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (Single Supervisory Mechanism – SSM) auch für die Nicht-signifikanten Institute (Less significant institutions – LSI) sicherzustellen. Proportionalität sei dabei ein wichtiges Element, um das Risiko und die systemische Relevanz der Banken angemessen zu berücksichtigen. Dr. Vesala kündigte an, dass die SSM-Aufsichtsprioritäten 2017 ihren Schwerpunkt auf Kreditrisiko, Geschäftsmodelle und  Profitabilitätstreiber sowie Risikomanagement legen.

„Die Konjunktur läuft. Dies gilt sowohl für die Industrie- als auch Schwellenländer. Die Eurozone wächst über Potenzial und der Euro gewinnt an Stärke. Die US-Notenbank setzt ihren vorsichtigen Zinserhöhungszyklus fort, die EZB wird noch im Laufe dieses Jahres ein Signal geben, wenn mit einer Änderung der Zinspolitik zu rechnen ist. Die Aktienmärkte erreichen historische Höchststände. Die Luft wird langsam dünn, denn die mit der Trump-Euphorie verbundenen Wachstumshoffnungen werden sich voraussichtlich nicht erfüllen. Die Bewertungen sind ambitioniert.“ Das waren die pointiert vorgetragenen Statements von Dr. Gertrud R. Traud, der Chefvolkswirtin und Bereichsleiterin Volkswirtschaft / Research der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen zur Konjunktur und zur Lage an den Kapitalmärkten.

Dr. Levin Holle, Abteilungsleiter Finanzmarktpolitik im Bundesministerium der Finanzen (BMF), ging in seinem anschließenden Vortrag „Niedrigzinsen – Herausforderungen für den Bankensektor“ darauf ein, dass Niedrigzinsen kein rein europäisches Thema, sondern eine globale Herausforderung seien und die großen Belastungen für die Profitabilität der Banken und Sparkassen adressiert werden müssten.

In der darauffolgenden Podiumsdiskussion „Sparkassen im Spannungsfeld von Niedrigzins und Regulatorik“ warb Dr. Gertrud R. Traud dafür, dass „der Gewinn Europas in dessen Vielfalt liegt“. Dr. Levin Holle verdeutlichte in der Diskussion, dass ein Abspecken überbordender administrativer Elemente der Regulatorik für die regional agierenden Sparkassen und Genossenschaftsbanken bei Aufrechterhalten der quantitativen Eigenkapitalanforderungen notwendig ist und vom BMF als relevante Aufgabe erkannt wurde. Er forderte die Sparkassenorganisation zu konkreten Vorschlägen auf.

„Gleiches gelte auch für die Regelungsflut in bankfremden Bereichen wie dem Verbraucherschutz, wo die Übertreibungen schon bei der Kontoeröffnung anfangen und für den Kunden eher das Gegenteil von Vertrauen, nämlich einen Informations-Overkill bedeuten“, so Wolfgang Zender, OSV-Verbands-geschäftsführer.  Er stellte dar, welche Rolle Sparkassen in der näheren Zukunft spielen können und sollen und wie entscheidend es dabei auf das Vertrauen der Kunden ankommen wird und wie Kunden überzeugt werden können, ihre Geschäfte über und mit den Sparkassen abzuwickeln. „Vertriebserfolg durch Standardisierung, Prozessoptimierung durch Standardisierung und Kosteneffizienz durch Standardisierung“, mit dieser klaren Botschaft positionierte sich ergänzend Peter Siebken, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin.

Die weiteren bankfachlich geprägten Vorträge von Prof. Gischer zum „Abschluss der Basel III Umsetzung“ und Rainer Pfau zur „Risikokultur in den neuen MaRisk“ befassten sich mit den Konsequenzen für die Institute durch Eigenkapitalregulierung und der Schaffung einer Risikokultur als Führungsaufgabe.

Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, positionierte in seinem Vortrag eine ganz zentrale Erwartung der kommunalen Träger an ihre Sparkassen:  „Die Sicherung des Regionalprinzips des deutschen Sparkassenwesen zur Stärkung der Wirtschaft und der Entwicklung vor Ort, einschließlich der Erhaltung von Filialstandorten in ländlichen Räumen sowie die Berücksichtigung des Regional- und Örtlichkeitsprinzips durch Förderpolitik und Landesplanung.“

Den abschließenden Höhepunkt des ersten Tages bildeten die Beiträge zur Digitalisierung von Götz Bormann, Vorsitzender des Vorstandes der Förde Sparkasse, und Hans Laven, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Paderborn-Detmold. Sie arbeiteten eindrucksvoll die Rolle der Mitarbeiter als Haupterfolgsfaktor im Transformations- und Change Prozess der Digitalisierung heraus. „Die Digitalisierung als Chance verstehen“, „Die Menschen (Kunden und Mitarbeiter) im Mittelpunkt behalten“ und „Auf den Standard einlassen“, dafür warb Franz-Theo Brockhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Finanz Informatik.

Den zweiten Tag eröffneten die Beiträge zum Ressourcenmanagement. Ulrich Dickamp, Geschäftsführer der UDM Unternehmensberatung für Informationstechnologie GmbH , und Dieter Nonn, Direktor Organisation/IT der Kreissparkasse Köln, stellten die Strategie und deren praktische Umsetzung zur Effizienzsteigerung in der Kreissparkasse Köln vor. Dass Prozessstandards eine Chance für die Arbeitsteilung sind, konnten Ulrich Wierzbinski, Direktor Organisation/IT der Nord-Ostsee Sparkasse (NOSPA), und Hermann Dreyer, Leiter Prüfungsstelle des OSV, in ihrem gemeinsamen Vortrag herausarbeiten. „PPS steigert die Effizienz durch strategiekonforme, schlanke und an der IT ausgerichtete Prozesse“ und „Zentrale Prozessstandards schaffen Freiräume durch die Reduzierung von operativen Tätigkeiten“, so das Fazit der NOSPA. Ulrich Wolff, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Vorpommern, schilderte, wie Personalumbau für Arbeitgeber und Arbeitnehmer fair und attraktiv gestaltbar ist.

Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), gab in seinem anschließenden Vortrag   Ein- und Ausblicke in das Wirken der zentralen Lobbyarbeit des DSGV.  „Eine allgemeine Regulierungspause ist erforderlich, um mit Blick auf die politischen Zielsetzungen nach der Finanzmarktkrise zu evaluieren und wenn nötig auch nachzusteuern“, so Schackmann-Fallis.  Schackmann-Fallis zweite wichtige Botschaft: „Eine differenzierte Regulierung im Sinne einer "Small and Simple Banking Box" ist im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zur CRR-Novelle dringend erforderlich.“

Mit „CHANGE YOUR MIND“ und Slatco Sterzenbach, 17-fachem Bezwinger des Iron Man, Bestsellerautor und Motivationstrainer konnten die Teilnehmer zum Abschluss der Vorstandstagung noch einmal ihre Perspektive verändern und für sich herausarbeiten, warum ihnen Veränderung bisher so schwer gefallen ist und mit welchen Metaprogrammen und Erfolgsfaktoren sich Veränderungen erfolgreich umsetzen lassen.

Kontakt