Mut und Ausdauer in turbulenten Zeiten

Herbsttagung für Sparkassenvorstände 2016

Potsdam/Berlin 14. Oktober 2016  Die diesjährige Herbsttagung für Sparkassenvorstände fand traditionell in Potsdam im Kongresshotel am Templiner See statt. Unter dem Motto „Mut und Ausdauer in turbulenten Zeiten“ trafen sich über 170 Teilnehmer, um über die aktuellen Herausforderungen, denen sich die Sparkassen derzeit stellen müssen, zu diskutieren. Die Teilnehmer erwarteten spannende und inspirierende Vorträge von hochkarätigen Rednern aus Politik, Wirtschaft und Experten aus der S-Finanzgruppe. Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des OSV, leitete die diesjährige Herbsttagung mit sehr klaren und wegweisenden Worten ein. „Als Sparkassen sind wir turbulente Zeiten gewöhnt, aber wir wissen auch, dass wir zusammen Spezialisten sind, wenn es darum geht, mit dem Wandel umzugehen“, betonte Ermrich. Sparkassen haben in ihrer 200-jährigen Geschichte gewaltige Turbulenzen er- und überlebt. Nach einem Schnelldurchlauf einer Chronologie von wirtschafts-, finanz- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen, denen sich die Sparkassen bisher erfolgreich gestellt haben, unterstrich Ermrich noch einmal sehr deutlich, dass die Sparkassen auch diese „turbulenten Zeiten“ erfolgreich meistern werden.

Herbsttagung 2016
Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident OSV
Prof. Achim Wambach, Präsident Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
Dr. Hajo Schumacher, Journalist & Autor textmanufaktur berlin
Podiumsdiskussion: Sparkassen heute und morgen – Wie nutzen wir turbulente Zeiten?
Thomas Menke, Vorstandsvorsitzender Nord-Ostsee Sparkasse
Andreas Schelling, Mitglied der Geschäftsführung Finanz Informatik GmbH & Co. KG 
Karsten Pannwitt, Vorstandsmitglied OstseeSparkasse Rostock
Stefan Roesler, Geschäftsführer Sparkassen-Finanzportal GmbH
Joachim Hunold, Vorstandsstab Sparkasse Paderborn-Detmold
Dr. Gregor Gysi, Rechtsanwalt und Mitglied des Deutschen Bundestages
Michael Thanheiser, stv. Vorstandsvorsitzender Landessparkasse zu Oldenburg
Klaus Siegers, Vorstandsvorsitzender Weberbank Actiengesellschaft
Boris Marte, Leiter Erste Hub / Erste Group Bank AG
Stefan Lukai, Vorstandsmitglied Sparkasse Essen
Dr. Georg Stocker, Stv. Vorsitzender des Vorstandes Dezernent für Sparkassenvertrieb & Marketing / DekaBank Deutsche Girozentrale
Peter Holzer, Keynote-Speaker Peter Holzer Unternehmungsberatung
Gute Unterhaltung im Publikum

Ermrich: „Wer Herausforderungen ignoriert und angesichts veränderter Rahmenbedingungen nicht reagiert, der bringt sich und andere in Gefahr“

Nach den eindringlichen, anspornenden und auffordernden Worten des Geschäftsführenden Präsidenten des OSV ging es gleich in eines der zentralen Themen über. Wie können Sparkassen den digitalen Wandel erfolgreich meistern? Prof. Achim Wambach (Präsident Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und Dr. Hajo Schumacher (Journalist & Autor) zeigten sehr deutlich in ihren Vorträgen, wie ersetzbar jedes Unternehmen ist und wie schnelllebig und flexibel der Markt und die Kunden sind. Die Amazons, Skypes, Airbnbs und Ubers dieser Welt sind erfolgreich, sehr erfolgreich. Was ist das Geheimnis ihres Erfolgs? Sie kooperieren und handeln mit Daten. Prof. Wambachs Erläuterung dazu: „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts“. Was den Ubers und Co. aber fehlt, ist ein direktes Produkt, eine Nähe und Verbindlichkeit: Transparenz und Vertrauen. Genau aber das ist die Stärke der Sparkassen. Sie sind nah am Kunden, sie haben das Vertrauen des Kunden und sie sind stark im Verbund.

Sparkassen heute und morgen – Wie nutzen wir turbulente Zeiten?

In einer spannenden Podiumsdiskussion widmeten sich Ingrid Arndt-Brauer (Vorsitzende des Finanzausschusses Deutscher Bundestag), Andreas Schulz (Vorstandsvorsitzender der Mittelbrandenburgischen Sparkasse), Prof. Achim Wambach (Präsident Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) sowie Wolfgang Zender (OSV-Verbandsgeschäftsführer) den herausfordernden Themen Niedrigzinsphase und staatliche Regulierung bei zunehmenden Marktanforderungen. Ernüchternd hielt Arndt-Brauer fest: „Es gibt in Brüssel wenig Verständnis für unsere Sparkassen- und Volksbankenmodelle. Unser Finanzminister fährt dort mit bester Absicht hin, aber stößt nicht immer auf Verständnis. In Brüssel betrachtet man die Sparkassen eher als große Gruppe, die einen Machtappart darstellen und somit unter die Regulierung fallen.“ Zender konterte darauf: „Ja, wir könnten ein Machtapparat sein, aber wir sind selbstständige Einheiten, und deshalb glauben wir auch nicht an die Chance, einen Machtapparat auszubauen. Die Sparkassen sind vor Ort und in der Region und es ist eines unserer zentralen Glaubensbekenntnisse, für Sicherheit und Vertrauen zu stehen.“

Sparkassen sind tief in der Region verankert. Sie sind nah am Kunden und pflegen Geschäftsbeziehungen zu mittelständischen Unternehmen. Gerade weil sie ihren lokalen Markt so gut kennen, können sie erfolgs- und kundenorientiert agieren. „Wir müssen die Weichen so stellen, dass in den Geschäftsstellen wertschöpfende Dienstleistungen angeboten werden, wie beispielsweise komplexe Beratungen. Themen wie Altersvorsorge oder Wohnimmobilienkredite haben auch etwas mit Vertrauen zu tun. Aber 90 Prozent der einfacheren Finanztätigkeiten, wie Überweisungen oder Konto-Check, finden digital statt“, erläutert Schulz.

Einfach erfolgreich und einfach anders

Am Nachmittag des ersten Tages haben Experten aus der S-Finanzgruppe inspirierende Good- Practice-Beispiele geboten. Thomas Menke (Vorstandsvorsitzender der Nord-Ostsee Sparkasse) zeigte den Teilnehmern sehr eindrucksvoll mit seinem Vortrag „Wandel – Vertrieb in stürmischen Zeiten“, mit welchen Visionen, Strategien und Maßnahmen ein erfolgreicher Kultur- und Strukturwandel gelingen kann. „Egal wie schwierig die Ausgangslage ist, es kann noch schwieriger werden“, so Menke. Er zeigte mit seinem Vortrag, dass jedes Ziel erreicht werden kann, wenn eine Organisation geschlossen dahinter steht und ambitioniertes Planen zum Erfolg führt. Wandel heißt auch optimieren. Thomas Schelling (Mitglied der Geschäftsführung Finanzinformatik GmbH & Co. KG) informierte die Teilnehmer über Produkte und intuitive Services der FI und wie diese für eine moderne und effektive Kundenkommunikation eingesetzt werden können. „Mit OSPlus_neo haben Sie eine Standard-Plattform, die digitale Kanäle verbundübergreifend effizient und sicher verbindet“, sagte Schelling. Wie Baufinanzierung auch im Internet funktioniert, zeigte Karsten Pannwitt (Vorstandsmitglied der OstseeSparkasse Rostock) in seinem praxisnahen Vortrag „Verkaufsoffen – Baufinanzierung (auch) im Internet“. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Kommunikation und enge Zusammenarbeit. Kunden wollen abgeholt und verstanden werden – der mediale Kanal ist dabei nur ein Weg. Erreichbarkeit – Nähe – Kompetenz sind die maßgebenden Kriterien, unabhängig vom Vertriebskanal. Das Schlusswort hatte Dr. Gregor Gysi, MdB. Eloquent, intelligent, aber auch mit einer Portion Humor gab er ein anregendes und nachdenkliches Statement zur europäischen Zukunft und ihren Banken. „Ich bin nicht dafür, dass überwiegend staatliches Eigentum existiert. In der Produktion und Dienstleistung hat das Privateigentum durchaus seine Berechtigung. Aber es gibt die öffentliche Daseinsvorsorge und in der öffentlichen Daseinsvorsorge hat das Privateigentum nichts zu suchen“, so Gysi. „Soll sich ein Krankenhaus rechnen, oder in erster Linie für die Gesundheit der Menschen zuständig sein“, fragte Gysi provokativ.

Einfach partnerschaftlich

Am zweiten Tag der Herbsttagung lag der Fokus auf praxisnahen Vorträgen. Michael Thanheiser (Stellvertretender Vorsitzender der Landessparkasse zu Oldenburg - LzO) berichtete über den Strategiewechsel in der LzO. Die LzO hat sich von einem filialzentrierten Multikanal-Modell zu einem kundenzentrierten Multikanal-Vertrieb verändert. Sie folgt dem Motto „einfach Machen!“. „Einfach Machen! - Nichts machen, ist auch keine Option“, unterstrich Thanheiser. Einfach Machen bedeutet zum einen „immer durch die Brille des Kunden schauen“ und zum anderen „alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert“. Kooperationen innerhalb der S-Finanzgruppe und externer Zukauf von Produkten ermöglichen ein Leistungsspektrum von Sparkassen-Apps, Videolegitimationen, Videoberatung und Chat bis hin zu paydirekt, Kontowechselservice und Onlineterminvereinbarungen. „Der Kunde ist wie er ist – nicht wie wir ihn gerne hätten“, so Thanheiser.
Klaus Siegers (Vorstandsvorsitzender der Weberbank Aktiengesellschaft) gab einen umfassenden Einblick in das Private Banking Geschäft während der Niedrigzinsphase. „Einen Vertrauensbruch in der Bankenkrise kennen wir nicht“, so Siegers. Die Weberbank ist seit dem 1. Juli 2009 eine Tochtergesellschaft der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam. Einen völlig anderen und unkonventionellen Einblick ins Banking-Geschäft gab der Österreicher Boris Marte (Leiter Erste Hub, Erste Group Bank AG). „Das Neue kommt nicht einfach durch die Vordertür“, so Marte zum Publikum. Banken und Innovationen – geht das? Dass es doch geht, zeigte Marte mit der Online-Banking-Plattform „George“. In seinem Vortrag ging es aber weniger um die Produktvorstellung von „George“. Sein Appell war: „Digitalisierung lässt sich nicht einfach mit einer neuen App oder Dienstleistung lösen. Wir müssen die Signale da draußen besser lesen“. Finanzinstitute müssten daher die Bedürfnisse des Nutzers identifizieren und frühzeitig reagieren.
 
Als Fazit der diesjährigen Herbsttagung kann festgehalten werden: Der Wandel kommt nicht nur von außen, sondern wird maßgeblich von innen mitgesteuert. Jedes Unternehmen und jede Organisation wächst durch Herausforderungen. Dass Sparkassen schon durch einige turbulente Zeiten gegangen sind und diese erfolgreich gemeistert haben, zeigt der starke Verbundgedanke. Mut. Ausdauer. Kompetenz. Sparkasse.

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