Vorstandstagung Revision

"Wie beeinflussen Niedrigzinsumfeld, schlankes Geschäftsprozessmanagement, Regulatorik, moderne Auffassungen von Internen Kontrollsystemen und Generationswechsel von Fach- und Führungskräften das Risiko einer Vermögensschädigung von Sparkassen?“

Berlin, 19. Februar 2018  Bereits zum dritten Mal haben die Prüfungsstellen des OSV und SGVSH ihre gemeinsame Vorstandstagung Revision in Potsdam ausgerichtet.

Die Vorstandstagung Revision stand unter dem Motto: „Wie beeinflussen Niedrigzinsumfeld, schlankes Geschäftsprozessmanagement, Regulatorik, moderne Auffassungen von Internen Kontrollsystemen und Generationswechsel von Fach- und Führungskräften das Risiko einer Vermögensschädigung von Sparkassen?“ und befasste sich mit der Frage, wie Vorstände diese Themen der Internal Governance und des Risikomanagements steuern können.Dr. Michael Ermrich, der Geschäftsführende Präsident des OSV, eröffnete die Veranstaltung mit seiner Rede „Die Governance einer Sparkasse im Kontext von Geschäftsorganisation, SREP Bescheiden und Trägerinteressen aus Sicht des Stützungsfonds“ und stellte wiederum die Notwendigkeit unterschiedlicher Regulierung kleiner und systemrelevanter Kreditinstitute dar.

Vorstandstagung Revision 2018
Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des OSV
Hermann Dreyer, Leiter Prüfungsstelle des OSV
Burkard Eckes, Leiter des Bereichs Banking & Capital Markets bei der PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Bernd Böttger, Ableitungsleiter Präventionsmanagement des SGVSH
Andreas Hülsen, Leiter Prüfungsstelle des Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringens
Kai Lorenzen, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin
Uwe Riediger, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Barnim
Dr. Peter Nettesheim, Geschäftsführer S-Rating und Risikosysteme GmbH
Andreas Retzlaff, Bundesbankdirektor und Referatsleiter Laufende Institutsaufsicht der Deutschen Bundesbank

 
Im Anschluss gab Hermann Dreyer, Leiter Prüfungsstelle des OSV, mit seinem Vortrag einen Überblick über Erkenntnisse aus der Prüfungspraxis des OSV. Dabei zeigten die Erfahrungen der Vergangenheit zu Ursachen für frühere Schieflagen einzelner Institute, dass wirtschaftliche Risiken aus dem Kundenkreditgeschäft die „Haupttreiber“ für Problemfälle waren. Dazu traten in einzelnen Fällen auch Risiken aus dem Depot-A auf. Mängel in der Geschäftsorganisation begleiteten diese Risikoentwicklungen. Hermann Dreyer zeigte in seiner aktuellen Zustandsbeschreibung weiter auf, dass wirtschaftliche Risiken als „Bedrohungsszenario“ für die Geschäftstätigkeit von Sparkassen fortbestehen und sich diese wirtschaftliche Risiken durch Niedrigzinsphase, Anlagealternativen, Konkurrenzdruck, neue Vertriebswege im Plattformgeschäft, Kostendruck etc. verstärken werden.

Mit Burkard Eckes, Leiter des Bereichs Banking & Capital Markets bei der PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, konnte wieder ein eng mit Aufsichtsbehörden und Standardsetzern wie EBA, EZB und BaFin vernetzter Insider gewonnen werden, der Einblicke in zukünftige Veränderungen in der Arbeit dieser Institutionen und die für die Sparkassen zu erwartenden regulatorischen Rahmenbedingungen eröffnete. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten dabei, dass sich die Praxis der Bankenaufsicht erheblich verändert hat. Der SREP als Kernstück der Bankenaufsicht wird auch auf die indirekt beaufsichtigten Institute sogenannte LSIs und damit auch auf die Sparkassen angewendet. Die EZB hat die Analyse der Geschäftsmodelle und die Nachhaltigkeit der Profitabilität auch mit Hinblick auf das Niedrigzinsumfeld mit hoher Priorität eingestuft.

Von den Erfahrungen des SGVSH mit Stützungsvorgängen und der Arbeit des Präventionsmanagements im SGVSH berichtete anschließend Bernd Böttger, Ableitungsleiter Präventionsmanagement. Nach Böttger ist aus den Erfahrungen mit Stützungsvorgängen festzuhalten, dass sich abzeichnende Fehlentwicklungen in einer Sparkasse relativ schnell zu einer erheblichen Krise ausweiten können. Denn die Krisenursachen und -folgen verstärken sich häufig gegenseitig. Der SGVSH hat eine umfassende, zukunftsorientierte Analyse und Einwertung aller schleswig-holsteinischen Sparkassen im Rahmen des qualitativen Monitorings etabliert, die in der Erstellung eines präventiven Risikoprofils mündet.

Andreas Hülsen, Leiter Prüfungsstelle des Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringens, arbeitete in seinem Vortrag zu „…Unautorisierte(n) oder kriminelle(n)Handlungen“ die Bedeutung von Kontrollen heraus. Sein Fazit: Kontrollen sind Ausdruck von Vertrauen, der Inhalt der Kontrollen ist entscheidend und Kontrollen müssen bekannt sein.

Im Anschluss machte Kai Lorenzen, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, deutlich, wie die Vermeidung doloser Handlungen von Mitarbeitern mittels fester Grundsätze, u.a. wie die Einführung NPP, zielführende Aufbau- und Ablauforganisation, passende Messinstrumente im Vertrieb und Risikosteuerung und “Leben” der Regelungen gelingen kann.

Uwe Riediger, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Barnim, trat in seinem „Plädoyer für unangenehme Fragen“ für eine starke Verteidigungslinie Interne Revision ein. So hat sich laut Riediger die Stellung der Internen Revision innerhalb der Sparkasse Barnim in den letzten Jahren deutlich verändert. Als „Verteidigungslinie“ stellt die Interne Revision für den Vorstand ein extrem wichtiges strategisches Kernfeld dar, wobei der Umfang der quantitativen und qualitativen Ausstattung wesentlich mit über die Effizienz und Gesetzeskonformität des Unternehmens entscheidet, denn die Interne Revision ist wesentlicher Bestandteil der Corporate Governance und hat damit auch direkte Auswirkung auf die Bemessung der Eigenkapitalanforderungen.

Welche Unterstützungsleistungen die S-Rating und Risikosysteme GmbH (SR) zum Thema Operationelle Risiken und Schätzverfahren anbietet und wie diese Leistungen und Tools die Vorstände entlasten können, war Gegenstand des Beitrags „Messung und Steuerung von operationellen Risiken bei Sparkassen“ von Dr. Peter Nettesheim, Geschäftsführer der SR. So werden mit dem gemeinsamen OpRisk-Pool und Schätzverfahren die Sparkassen optimal und zentral unterstützt. Dabei steht den Sparkassen ein validiertes Verfahren zur Bestimmung des OpRisk VaR für die RTF (OpRisk Schätzverfahren) zur Verfügung. Die dokumentierten Schadensfälle aus anderen Sparkassen helfen bei der Szenarioschätzung u. a. für Rechtsrisiken (OpRisk Pool).     Mit dem einheitlichen Vorgehen erfolgt eine klare Abgrenzung zwischen Reputationsrisiken und operationellen Risiken (OpRisk Kompendium). Die SR verfügt dabei über den weltweit größten Pool an OpRisk-Schadensfällen mit vielfachen Auswertungsmöglichkeiten.

Andreas Retzlaff, Bundesbankdirektor und Referatsleiter Laufende Institutsaufsicht der Deutschen Bundesbank, stellte in seinem Abschlussvortrag mit „Blick der Aufsicht auf die Internal Governance einer Sparkasse im Kontext von operationellen Risiken und Bestandsgefährdungen“, die hohe Bedeutung der Internal Governance in den Kreditinstituten dar, wenn es gilt, operationelle Risiken zu vermeiden und Schaden von den Kreditinstituten abzuhalten. Die Vorstände tragen Verantwortung, für ein funktionierendes Internes Kontrollsystem. Das lange Ausbleiben früher üblicher Bewertungserfordernisse im Kredit- und Wertpapierbereich darf nicht über die Gefahren hinwegtäuschen, die bei einem Konjunkturrückgang zu verzeichnen sein könnten.

Neben dem umfangreichen Vortragsprogramm bot die Tagung auch Gelegenheit zum persönlichen Erfahrungsaustausch mit Vorständen anderer Sparkassen sowie Vertretern der nationalen Bankenaufsicht und den Führungskräften der ausrichtenden Prüfungsstellen.  

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