Es begann vor 195 Jahren ...

Sparkassenjubiläen im Verbandsgebiet

Berlin, 14. Februar 2014   Der Countdown läuft. In nicht einmal fünf Jahren ist es soweit: Die Eröffnung der ersten Sparkasse im Verbandsgebiet jährt sich am 1. Januar 2019 zum 200. Mal. Gegründet wurde sie in Königsbrück im Königreich Sachsen von einem Adligen, dem Grafen von Hohenthal. 1819 nahm auch in Halle eine Sparkasse die Geschäftstätigkeit auf. Ihre Einrichtung ist angesehenen Bürgern der Stadt zu verdanken. Die erste Sparkasse in Trägerschaft einer Stadt folgte nach derzeitigem Kenntnisstand drei Jahre später. Sie wurde am 1. Oktober 1822 in Frankfurt an der Oder eröffnet.

Auch in vielen anderen Orten, in denen ostdeutsche Sparkasseninstitute heute für ihre Kundinnen und Kunden da sind, gibt es eine lange Sparkassentradition. Dort  reichen die Wurzeln ebenfalls weit in die Geschichte zurück. So sind zahlreiche  Stadtsparkassen bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden, zum Beispiel in Chemnitz und Ribnitz (heute Ribnitz-Damgarten) vor 175 Jahren sowie in Burg und Spremberg vor 170 Jahren.

Graf Peter Carl Wilhelm von Hohenthal eröffnete vor 1819 eine Sparkasse in Königsbrück.
In dieser Spremberger Straße befand sich die Sparkasse auch 1844.
Ribnitz lag im 19. Jahrhundert an der Grenze zum preuß. Pommern.
Früher wurden in Mecklenburg Schillinge gespart.
Straße zum Burger Rathaus, in dem die Sparkasse eröffnet wurde
Silberne Taler gab es nicht nur in Sachsen.
Das Sparbuch wurde 30 Jahre nach der Gründung ausgestellt.

Aus der Geschichte jeder dieser vier Jubiläumssparkassen gibt es Interessantes zu berichten. So ist bekannt, dass drei von ihnen anfangs in einem Rathaus tätig waren. Allein in Spremberg, gelegen in der preußischen Provinz Brandenburg, hatte man ein anderes Gebäude in zentraler Lage gefunden. In diesem Haus konnten sehr lange Kassenstunden stattfinden. Sparkassen öffneten in der ersten Zeit ihres Bestehens für gewöhnlich nur an einzelnen Tagen für einige Stunden. In Spremberg aber wurde die Kundschaft der Satzung nach ab dem 1. Januar 1844 sogar an jedem Wochentag zwischen 8:00 und 12:00 Uhr sowie 14:00 und 17:00 Uhr empfangen.

Aber wer waren die Menschen, die als erste zu den Stadtsparkassen kamen? Die Namen dieser Kundinnen und Kunden sind glücklicherweise überliefert. In Ribnitz war es die 12-jährige Adelheid Nizze, die am 24. Juni 1839 mit gutem Beispiel voranging. Ihr gehörte das Sparbuch mit der Nummer 1. Der Vater, Bürgermeister der Stadt und Vorsteher der Sparkasse, unterzeichnete auf dem Buch. Die Einlage des Mädchens betrug ganze 32 Schillinge. Im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin entsprachen 12 Pfennige einem Schilling und 48 Schillinge einem Taler. In Preußen und Sachsen gab es auch Taler und Pfennige. Dort wurden aber Groschen statt der Schillinge gespart.

Das Geld nahm zu dieser Zeit ein Rendant, Berechner oder Kassierer entgegen. Umfangreiches Personal gab es bei den vier Sparkassen noch nicht. Üblicherweise mussten die Männer eine Kaution leisten. Sie bekamen eine an der Höhe der Einzahlungen bemessene Entlohnung beziehungsweise ein festes Gehalt. Es sollte etwa der Sekretär Herr Diedrich, der ab dem 7. Oktober 1844 einer Nebentätigkeit bei der Sparkasse in Burg nachging, monatlich 8 Taler und 10 Silbergroschen erhalten. Setzt man dieses Gehalt mit den Marktpreisen der Stadt in der preußischen Provinz Sachsen ins Verhältnis, so konnte er sich zum Beispiel täglich ein Kilogramm Schweinebraten und dazu einen Liter Bier leisten.

Hunderte und tausende von silbernen Talern zählten die Sparkassenmänner im Laufe der Monate. Die Einlagenentwicklung war dabei von Ort zu Ort unterschiedlich. Sie hing, wie in neuester Zeit auch, von der Zahl, der wirtschaftlichen Situation und letztlich auch vom Sparsinn der Bevölkerung ab. So wurde in der großen Stadt Chemnitz im Königreich Sachsen ein halbes Jahr nach der Eröffnung am 1. Juli 1839 ein Gesamtguthaben von 4.934 Talern und zwei Pfennigen bilanziert. Das erfüllte jedoch noch nicht die Erwartungen der Gründer. Darum betrieb man verstärkt Werbung für die Einrichtung und propagierte das Vorsorgen durch Sparen in der Presse, was Erfolg zeigte.

Heute hat in der Stadt die Sparkasse Chemnitz ihren Sitz. Nicht nur sie, sondern auch die anderen erfolgreichen Sparkassen, die Sparkasse Vorpommern (Filialen in Ribnitz-Damgarten), die Sparkasse Spree-Neiße (Geschäftsstellen in Spremberg) und die Sparkasse Jerichower Land (Sitz in Burg), können mit einem Rückblick auf die Geschichte für ihr Institut werben.

2014 stehen noch weitere Jubiläen an. Unter anderem wurden in den folgenden Orten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Sparkassen gegründet:  

Eröffnungsjahr Jubiläum Stadt heute vor Ort
1824 190. Lübben Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam 
1834 180. Plau am See Sparkasse Parchim-Lübz
1839 175. Großenhain Sparkasse Meißen
1839 175. Plauen Sparkasse Vogtland
1839 175. Waren (Müritz) Müritz-Sparkasse
1844 170. Calbe/ Saale Salzlandsparkasse
1844 170. Malchin Sparkasse Neubrandenburg-Demmin
1849 165. Bischofswerda Kreissparkasse Bautzen 
1849 165. Königstein Ostsächsische Sparkasse Dresden
1849 165. Pegau Stadt- und Kreissparkasse Leipzig
1849 165. Schwaan OstseeSparkasse Rostock
1849 165. Wernigerode Harzsparkasse

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