Frühjahrstagung für Sparkassenvorstände 2016

„Kräfte bündeln und konsequente Vereinfachung“

Berlin/Potsdam, 8. Juni 2016  Anfang Juni hat die traditionelle Frühjahrstagung für Sparkassenvorstände in Potsdam stattgefunden. Unter dem Motto „Kräfte bündeln und konsequente Vereinfachung“ trafen sich Sparkassenvertreter, Verbundpartner und Experten der Kreditwirtschaft, um sich über die aktuellen strategischen Aufgaben in der Sparkassenorganisation, rechtlichen Rahmenbedingungen sowie über IT-Strategien auszutauschen und zu diskutieren. 

Dr. Michael Ermrich - Geschäftsführender OSV-Präsident
Wolfgang Zender - OSV-Verbandsgeschäftsführer
Dr. Ulrich Kater - Chefsvolkswirt DekaBank
Frau Keplinger-Mitterlehner & Heinrich Piermeier
Detlev Klage - Geschäftsführer Finanz Informatik
Dr. Peter Nettesheim - S Rating Risikosysteme
Plenum
Moderator Robert Wehner
Markus Schaly - Vorstandsvorsitzender Bordesholmer Sparkasse AG
Ralf Fleischer - Vorstandsvorsitzender SSK München
Peter Griep - Präsident Hauptverwaltung Deutsche Bundesbank
Thomas Happel - Abteilungspräsident BaFin
Frank Schwab - Geschäftsführer GIZS
Ulrich Dickamp - Geschäftsführer UDM
Björn Friese - Abteilungsleiter Sparkasse Barnim
Plenum
Achim Sprengrad - Geschäftsführer GAR mbH
Dr. Jörn Zeuner - Chefsvolkswirt KfW Bankengruppe
Rainer Remke - Geschäftsführer S-Servicepartner
Hans-Michael Strube - Vorstandsvorsitzender Salzlandsparkasse
Norbert Baumgärtner - Geschäftsführer DSGF
Dr. Oliver Mihm - CEO Investor Marketing AG
Redner - Frühjahrstagung 2016

Aktuelle Entwicklungen und Strategie

Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassen-verbandes (OSV) fokussierte in seiner Eröffnungsrede die Zukunftsstrategien in der Sparkassenorganisation und betonte mit Nachdruck, dass Kräfte gebündelt und Strukturen vereinfacht werden müssen. "Bündelung hat unsere Mitglieds-sparkassen zum Erfolg geführt, sie ist auch der richtige Ansatz für den Umgang mit neuen Herausforderungen. Letztere erfordern zugleich, dass wir auch die Strukturen der Sparkassenorganisation unter die Lupe nehmen. Dabei ist das Zusammenspiel von Zentralität, Dezentralität und geschlossenem Auftritt in der Gruppe fest im Blick zu behalten“, betonte Ermrich.

Im Anschluss an Dr. Ermrichs Eröffnungsrede erläuterte OSV-Verbandsge-schäftsführer Wolfgang Zender die finanzpolitischen Herausforderungen und Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsphase, die auf die Sparkassen zukommen. „Die regulatorischen Anforderungen kommen weiterhin in scheinbar unbegrenzter Anzahl und immer kürzeren Fristen auf die Sparkassen zu. Es sei denn – wir gehen alle in einen "regulatorischen Generalstreik" und verweigern uns bis zur Verhandlung von SREP-Kapitalzuschlägen vor deutschen Gerichten diesem Regulierungswahn. Ich vermag allerdings noch nicht einzuschätzen, ob dafür inzwischen die Zeit reif ist. So kommt es einstweilen mehr denn je auf die Bündelung von Kräften und die konsequente Vereinfachung an – ein Weg an einer Prozessstandardisierung führt nicht vorbei“, so Zender.

Nach der Rede des OSV-Verbandsgeschäftsführers folgte ein Ausblick von Dr. Ulrich Kater, Chefsvolkswirt der DekaBank Deutsche Girozentrale. Er ging in seinem Vortrag auf die wirtschaftliche Entwicklung in der EU und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die S-Finanzgruppe ein. 

Den Vormittag rundeten Michaela Keplinger-Mitterlehner, Vorstandsdirektorinder
Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG, und Heinrich Piermeier, EGC EUROGROUP CONSULTING AG, mit einem gemeinsamen Praxisbericht „Gemeinsam Zukunft gestalten – RBG OÖ 2020“ ab, die darstellten, dass die Raiffeisenlandesbankenin Oberösterreich weitere Teile ihrer Stabsaufgaben zentralisiert haben und z.B. einen Personalpool gegründet wurde, der für alle Institute zugänglich ist und wo neue Mitarbeiter eingestellt werden.

Banksteuerung und Prozesse

Der Nachmittag war den Themenblocks „Bankensteuerung und Prozesse“ sowie „Bankenaufsicht und Regulierung“ gewidmet. Detlev Klage, Geschäftsführer der Finanz Informatik (FI), berichtete zu aktuellen OSPlus-Anwendungskomponenten. Daran anknüpfend informierte Dr. Peter Nettesheim, Geschäftsführer Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH, über den Aufbau hin zu einer Clearingstelle Regulatorik. 

Einblicke in die Themen „Auslagerungsmaßnahme“ und „Prozessoptimierung im Changemanagement“ bekamen die Teilnehmer durch die Erfahrungsberichte der Referenten Markus Schaly (Vorsitzender des Vorstandes der Bordesholmer Sparkasse) und Ralf Fleischer (Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse München). Schaly berichtete von seinen Erfahrungen mit der Auslagerung
des Meldewesens und Fleischer, der dem Publikum anschaulich von den
Prozessoptimierungen und Digitalisierungsstrategien der Sparkasse München berichtete, fokussierte in seinem Vortrag das Changemanagement. „Wir haben einen radikalen Schnitt gemacht und die Dinge grundlegend verändert“, so Fleischer. 

Bankenaufsicht und Regulierung
 
Abgerundet wurde der erste Tag mit Beiträgen zu aktuellen Entwicklungen in der Banken- und Finanzmarktregulierung (Peter Griep, Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein), Umsetzung des SREP in Deutschland und der MaRisk-Novelle (Thomas Happel, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht), zu den neuen Baseler Ansätzen zur Berechnung der RWA (Achim Sprengard, Gesellschaft für Aufsichtsrecht und
Revision mbH WPG) sowie zu den Folgen für die Wirtschaft und Gesellschaft durch Niedrigzinspolitik und Bankenregulierung (Dr. Jörg Zeuner, KfW Bankengruppe). Dabei wurde deutlich, dass die Arbeitsprogramme von BCBS und EBA für die nächsten Jahre zu Belastungen in ungeahntem Ausmaß führen würden, schaffe man es nicht, dieser Entwicklung Einhalt zu bieten. 

IT und Prozesse

Auf der Agenda des zweiten Tages standen IT- und Digitalisierungsthemen. Die Vortragsreihe hatte viele spannende, hochaktuelle und praxisnahe Themen zu bieten. Der Tag läutete mit einer spannenden Präsentation – inkl. eines Statusberichts – zum neuen Online-Bezahlverfahren paydirekt (Frank Schwab, Kompetenzzentrum für Online- und mobile Bezahlverfahren) ein. „Paydirekt ist noch am Anfang, aber es muss mehr werden, deutlich mehr werden. Die harte Arbeit liegt noch vor uns, wir müssen jetzt die Händler und Kunden gewinnen“, so Schwab. 

Im Anschluss referierte Ulrich Dickamp (UDM Unternehmensberatung für Informationstechnologie GmbH) zu den Herausforderungen, Perspektiven und Lösungsansätzen 2020. Den Weg, den Dickamp in seiner Präsentation aufzeichnete, heißt „Duale Optimierung“. Duale Optimierung bedeutet
für die Sparkassen, Kosten runter und Erträge rauf - und es bedeutet einen tiefgreifenden Wandel in der Organisation der Institute; gerade der regional verankerten. Zudem müssen realistische Größenordnungen definiert werden, die man auch greifen kann. 

Rainer Remke von der S-Servicepartner Deutschland GmbH ging das Thema Komplexitätsmanagement in den Sparkassen an. „Die dezentrale Struktur soll und kann beibehalten werden, wenn Sparkassen optimierte Arbeitsteiligkeit, wie seit jeher in der Subsidiarität angelegt, praktizieren“, sagte Remke.

Michael Strube (Salzlandsparkasse) berichtete über die Herausforderungen bei der Einführung von OSPlus_neo aus Sicht der Salzlandsparkasse. Insbesondere stellte Strube aber heraus, dass das zentrale Element der Sparkasse, die Kundennähe und das "Persönliche" beim Kontakt erhalten bleiben müssen; bei aller Technik-Affinität und Digitalisierung.

Digitalisierung und Zukunft 

Norbert Baumgärtner (Deutsche Servicegesellschaft für Finanzdienstleister) präsentierte in seinem Vortrag „Effiziente Prozesse durch Digitalisierung“ praxisnahe Beispiele. Es komme darauf an, dem Kunden Mehrwerte durch die Digitalisierung zu schaffen.

Mit einem weiteren Praxisbericht zu den strukturellen Veränderungen im medialen Vertrieb bis hin zum medialen KundenCenter knüpfte Björn Friese (Sparkasse Barnim) an. Einfach machen, war das Leitmotto der Barnimer Sparkasse. „Wir haben das Thema Digitalisierung in der Sparkasse Barnim einfach angefangen“, sagte Friese.

Ob Fintchs nun Fluch oder Segen sind, wie viel Digitales der Kunde tatsächlich braucht und möchte und wie die Geschäftsmodelle und Strategien der Fintechs ausgerichtet sind, darüber referierte und diskutierte Dr. Oliver Mihm (Investor Marketing AG). "Fintechs sind nicht die große Gefahr, sie sind eher ein Segen. Die Gefahr geht von den großen Etablierten aus", so Mihm.

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