„Wir machen es einfach“

Die OSV-Herbsttagung 2015 für Sparkassenvorstände gibt den Startschuss zur Umsetzung der Geschäftsstrategie 2020 der ostdeutschen Sparkassen

Potsdam/Berlin, 19. Oktober 2015   Wenn  Apple neue Produkte vorstellt, dann lädt der Weltkonzern mit großem Aufwand ins Silicon Valley ein und lässt Superbands wie U2 auftreten. Wenn der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) zur Vorständetagung einlädt, dann erfolgt dies traditionell und bodenständig ins Kongresshotel nach Potsdam. Als Höhepunkt gab der Bundesaußenminister a. D. und ehemalige Vizekanzler, Joschka Fischer, ein aufrüttelndes und zum Nachdenken anregendes Statement. Wenn die Sparkassen natürlich nicht Apple sind, so waren die Botschaften der zweitägigen Tagung am 15. und 16. Oktober 2015 doch ebenso wichtig für die Zukunft der ostdeutschen Sparkassen.

Dr. Michael Ermrich, Geschäftsführender Präsident OSV
Georg Fahrenschon, Präsident DSGV
Das Auditorium wurde gut unterhalten.
Wolfgang Zender, Verbandsgeschäftsführer OSV
Claus Tigges, Präsident Hauptverwaltung Deutsche Bundesbank, im Dialog mit Moderator Robert Wehner
Joschka Fischer, Bundesaußenminister und Vizekanzler a. D.
Joschka Fischer fesselte die Teilnehmer auch neben der Bühne
Prof. Gischer, Frank Axel und Hans-Michael Strube (v. l.) in der Podiumsdiskussion zur Niedrigzinsphase
Prof. Schimansky über den „Tatort Marke“
Die Tagung bot viel Gelegenheit für intensive Gespräche.
Schauspieler Lutz Herkenrath bewegte die Teilnehmer zum Abschluss noch einmal emotional

Die Devise: „Segel ausrichten“

Es geht um die Strategie in den kommenden fünf Jahren. Anspruchsvolle Herausforderungen stehen an. Niedrigzinsphase, geändertes Kundenverhalten, Regulatorik – Themen, die für eine unruhige See sorgen. Der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, hob jedoch hervor, dass die Sparkassen in ihrer Geschichte oft vor großen Aufgaben standen. „Wind gab es immer, die ostdeutschen Sparkassen sind aber Dank der guten Arbeit in der Vergangenheit sicher aufgestellt. Dennoch heißt es nun, das Segel auszurichten.“

Auf das bisher Geleistete kann man dabei stolz sein. So lobte Dr. Ermrich auch das Vorgehen und Engagement des DSGV auf Bundes- und Europaebene im Kampf um angemessene regulatorische Anforderungen. Die Sparkassen leisten aktuell ebenfalls einen wichtigen Beitrag in der Flüchtlingskrise. Sie werden zunehmend erste Anlaufstelle bei der Sicherstellung der Geldversorgung der Asylsuchenden.

Die Bedeutung der Sparkassen als „dritte Säule“ in der deutschen Finanzwirtschaft unterstrich auch der Präsident des DSGV, Georg Fahrenschon. Finanzkrise oder die aktuelle Flüchtlingssituation, „die Sparkassen zeigen, dass die Stärken der kommunal ausgerichteten Kreditinstitute immer wichtig waren und sind“. Als Marktführer und Hausbank des Mittelstandes müsse man allerdings auch erkennen, dass der „Schub aus der Finanzkrise weg ist“.

„Kunden sind sensibler geworden“

Ob Einlagensicherheit, Kundenvertrauen, oder Produkte: „Die Kunden sind sensibler geworden und haben andere Bedürfnisse“, so Fahrenschon. „Mit der Aufwertung der Produkte und der Filiale stehen wichtige Aufgaben an. Die Mitarbeiter sind gefordert und müssen den Kunden klar machen, dass ihre Ansprechpartner auf allen Kanälen erreichbar sind.“ Bei allen notwendigen Maßnahmen zur Umsetzung der Digitalisierung sollte jedoch im Vordergrund stehen, dass den Kunden „Menschen an der Seite stehen. Das war und soll die Stärke der Sparkassen bleiben.“

Die fachlichen Haupthandlungsfelder sind mit der Geschäftsstrategie 2020 identifiziert. Der Verbandsgeschäftsführer des OSV, Wolfgang Zender, gab mit der Vorstellung der neuen Broschüre den Startschuss zur Umsetzung.

Erträge sichern, Sach- und Personalkosten optimieren, Kundenkontakt zukunftsfähig gestalten.

Mit der ganzheitlichen Geschäftsstrategie der ostdeutschen Sparkassen, die die Kundensicht in den Fokus stellt, steht den Sparkassen das passende Instrument zur Verfügung. „Dabei handelt es sich um eine lebende Strategie“, machte Zender klar. Der Maßnahmenbaukasten als Kernstück wird regelmäßig aktualisiert und erneuert. Getreu dem Motto „Wir machen es einfach“ bietet die Geschäftsstrategie den Sparkassen wirkungsvolle Maßnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen. Sie ruft zudem dazu auf, die Lösungen für Kunden, Sparkassen und Mitarbeiter so einfach wie möglich zu gestalten. „In Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, nicht als Einzelkämpfer, sondern als Gruppe möglichst einheitlich und geschlossen zu agieren. Das macht uns stark“, so Zender.

In den Folgevorträgen wurden viele der Themen aufgegriffen und vertieft.
Dabei wurden die Rahmenanforderungen und die Strategie der Deutschen Bundesbank ebenso berücksichtigt wie die aktuellsten Neuerungen der Verbundpartner.

Immer wieder stand das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt. Ottmar Bloching, Geschäftsführer des Deutschen Sparkassenverlages, kündigte Maßnahmen im Bereich Onlinezahlungen an. Mit pay direkt erreichen die Sparkassen auch die Kunden, die bisher noch per Lastschrift oder Rechnung zahlen. Pay direkt verlängert das Girokonto ins Internet und bietet den Kunden so eine Plattform für Mehrwerte.

„Der Kunde möchte eine Online-Zahlungsmöglichkeit seiner Sparkasse“

Die Sparkassen können und müssen dabei mit dem Thema Sicherheit punkten. Mit OSPlus neo und der IF 6.0 können Prozesse und Beratungen in der täglichen Arbeit unterstützt und erleichtert werden. Videoberatung, Videotelefonie oder ePostfach – bei allen Angeboten steht eine einfache und intuitive Bedienbarkeit im Fokus.

Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DekaBank, Dr. Georg Stocker, betonte: „die Anlage von Vermögen ist Vertrauen und Sicherheit. Das muss die Sparkassen von den weiter wachsenden FinTechs unterscheiden. Die Kunden sollen natürlich kaufen oder sich beraten lassen. Deshalb muss jeder Klick im Internet zum Weitermachen animieren.“   

Die Maßnahmen können sich unterscheiden - digitaler Wandel ist allerdings Chefsache!

Mit Praxisbeispielen aus der Sparkasse Werl oder der Förde Sparkasse wurde eine umfangreiche Grundlage zum Diskutieren und Ideensammeln in den Pausen gelegt. Die Wege können abweichen, das wurde deutlich. So hat die Sparkasse Werl eine klare Trennung zwischen der klassischen Filiale und ihrer Online-Kundschaft vollzogen.

Die Förde Sparkasse setzt hingegen seit 2014 auf eine Befähigung und Schulung aller Mitarbeiter für den Umgang mit den digitalen Kanälen. So hat etwa jeder Mitarbeiter ein iPad zur freien Nutzung erhalten.

Die Erfahrungen sind mehr als wertvoll und die Maßnahmen zeigen spürbare Erfolge. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter überzeugt und begeistert werden. Das erfordert eine „digitale Offensive mit Plan“ und ist „Chefsache“, betonten beide Sparkassen-Chefs.

Globalisierung – Zeugen einer großen Veränderung

Mit klarem Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage begeisterte der Bundesaußenminister a. D. und ehemalige Vizekanzler, Joschka Fischer. In einem hochgradig spannenden Aufriss der letzten 25 Jahre vollzog er die wichtigsten Entwicklungen in Europa nach. Die zunehmende Dynamik bei der Globalisierung war ebenso Thema wie die Finanzkrise, der VW-Skandal, die Situation in der Ukraine und in Syrien sowie die aktuelle Flüchtlingssituation.

„Europa kann nur erfolgreich sein, wenn es eine starke, intelligente Politik vertritt und auf die anstehenden Aufgaben untereinander abgestimmt reagiert.“ Dieses Fazit kann auch auf die Sparkassenorganisation übertragen werden: Nur im Verbund werden wir zusammen die Herausforderungen meistern können. Hierfür bietet die Geschäftsstrategie 2020 die Grundlage und passenden Instrumente.

2. Tag – viel Emotionen und Blick über den Tellerrand

Die Beratungs- und Servicequalität standen im Vordergrund des zweiten Veranstaltungstages.

Mit einem Blick über den Tellerrand eröffnete Vicky Giourga, Senior Vice President Customer Service des TV-Senders HSE24. In ihrem erfrischenden Vortrag verdeutlichte sie den Zuhörern, dass Stories für den erfolgreichen Verkauf wichtig sind.

Einheitliche Standards dienen dazu, Erkenntnisse zu gewinnen und Freiräume zu schaffen. „Menschen bedienen Menschen – und nicht Mitarbeiter bedienen Kunden“, so sollte der zentrale Ansatz in der Kundenansprache sein.

Wichtige Impulse zum praktischen Handeln gaben die weiteren Beiträge. Ralf Osterberg, Vorstandsmitglied der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, präsentierte den Zuhörern eine praxiserprobte Möglichkeit zur Intensivierung des Kreditgeschäfts.

Diskussion und Potenziale

Ein Novum der diesjährigen Herbsttagung war die anschließende Podiumsdiskussion mit Hans-Michael Strube und Prof. Dr. Horst Gischer zur Niedrigzinsphase. „Wir müssen uns heute auf die Niedrigzinsphase einstellen und uns ein Konzept für die kommenden Jahre zurechtlegen“, so Strube.

„Negativzinsen sind aus heutiger Sicht in Deutschland nicht zu erwarten“, unterstrich allerdings Prof. Gischer.

Ungenutzte Potenziale liegen bei der Akquisition von Kunden. Hier sind pfiffige Ansätze gefragt. Dabei dürfen sich die Sparkassen aber nicht ausschließlich auf das Internet stützen. Die persönliche Ansprache des Kunden muss ausgebaut werden.

Die Marke Sparkasse emotional gestalten

Es sind die Emotionen, die etwas nachhaltig in Bewegung setzen. Mit den animierenden beiden Schlussvorträgen wurden einige provokante und intelligente Ansätze gezeigt, um Kunden für unsere Marke zu begeistern. Diese setzten einen kreativen Schlusspunkt auf eine sehr vielfältige und spannende Veranstaltung.

Als Fazit zum eingangs gezogenen Vergleich mit Apple kann man sagen: Weniger Show, dafür mehr Inhalte – das ist Sparkasse.

Eindrücke von Teilnehmern

Roland Manz - VV Erzgebirgssparkasse
Durch das bunte Programm an beiden Tagen gab es keine Langeweile. Die Themen waren in ihrem Inhalt sehr gut gewählt und fachlich ansprechend und richtungsweisend. Die Betrachtung bestimmter Dinge hätte jedoch weiter in die Tiefe gehen können.

Markus Rück - VV Sparkasse Ostprignitz-Ruppin
Die facettenreichen Beiträge und Vorträge waren gut gewählt und gestaltet. Durch die Einladung der Kollegen aus dem SGVSH konnten hervorragende Gespräche rechts und links geführt werden. Dies machte eine positive Veränderung zu den vergangenen Jahren. Die thematische Abendveranstaltung war sehr gelungen und gab genügend Zeit für Gespräche und zur Unterhaltung.

Dirk Helbig – stv. VV Sparkasse Mittelsachen
Eine sehr vielseitige und gute Veranstaltung. Es stimmt einfach Vieles. Gerade im Hinblick auf die Digitalisierung erwarten die Kunden heute einen neuen Typ Kundenberater. Dem müssen wir uns stellen.

Andreas Störmer – VM Sparkasse Altmark West
Die abwechslungsreichen und zeitlich gut bemessenen Vorträge haben sehr gut gefallen und Impulse für die weiteren Entwicklungen gegeben. Ganz besonders der Vortrag von Frau Giourga von HSE24 hat beeindruckend gezeigt, wie wir von den Besten auf anderen Gebieten lernen können. 

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