19. 0SV-Tourismusforum zum digitalen Wandel im Ostdeutschland- Tourismus – stabile Marktposition ostdeutscher Destinationen

Ermrich: Mit qualitativem Wachstum zur
Wertsteigerung

Berlin, 10. März 2016    Der Tourismus in Ostdeutschland ist gut 25 Jahre nach der Deutschen Einheit in der Reifephase angekommen. 2015 entwickelte sich der Tourismus in Ostdeutschland mit einem Übernachtungszuwachs von 1,7 Prozent leicht unter dem Bundesniveau (+ 2,9 Prozent). Die Besucherzahlen der Kultur- und Freizeiteinrichtungen sanken 2015 um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus dem 19. Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, das der Geschäftsführende OSV-Präsident, Dr. Michael Ermrich, am Donnerstag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin präsentierte.

Ermrich betonte: „Wir müssen umdenken. In Zeiten, in denen quantitative Zuwächse nicht mehr selbstverständlich sind, kommt Strategien zur Marktsicherung eine größere Bedeutung zu. Wer mit qualitativem Wachstum auf Wertsteigerung setzt, sichert seine Marktposition.“

Übernachtungen legen insgesamt zu

Nach den Nachfragezuwächsen in 2014 stieg die Zahl der Übernachtungen in gewerblichen Betrieben im vergangenen Jahr in Brandenburg um 4,9 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern um 2,6 Prozent und in Sachsen-Anhalt um 2,4 Prozent. Lediglich in Thüringen (minus 0,3 Prozent) und in Sachsen (minus 0,9 Prozent) ging die Zahl der Übernachtungen zurück.

2015 meldeten die Betriebe in Ostdeutschland insgesamt 78,1 Mio. Übernachtungen in Hotels und anderen gewerblichen Beherbergungsbetrieben einschließlich Camping. Davon kamen 73,1 Mio. Übernachtungsgäste aus dem Inland. Es wurden über 5 Mio. internationale Übernachtungsgäste gezählt. Der Marktanteil Ostdeutschlands an allen Übernachtungen in Deutschland ging erneut leicht zurück von 18,1 Prozent in 2014 auf 17,9 Prozent in 2014. 2005 lag der Marktanteil Ostdeutschlands noch bei 18,6 Prozent.

Deutschlandweit zählten die gewerblichen Beherbergungsbetriebe 166,8 Mio. Gästeankünfte und 436,2 Mio. Übernachtungen. Hier stiegen die Ankünfte um 3,7 Prozent, die Zahl der Übernachtungen um 2,9 Prozent.

Spitzenplatz erneut für Mecklenburg-Vorpommern

Mit rund 29,5 Mio. Übernachtungen blieb Mecklenburg- Vorpommern ein beliebtes Reiseziel in Deutschland. Sachsen zählte 2015 18,7 Mio. Übernachtungen, Brandenburg 12,5 Mio., Thüringen 9,8 Mio. und Sachsen-Anhalt 7,6 Mio. 25 der 42 Reisegebiete in Ostdeutschland erzielten 2015 Zuwächse bei den Übernachtungen.

In Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen stieg die Zahl der Gästeankünfte jeweils auf 7,4 Mio., in Brandenburg auf 4,7 Mio., in Thüringen auf 3,7 Mio. und in Sachsen-Anhalt auf 3,1 Mio.

Auslandsübernachtungen legen deutlich zu

Die ostdeutschen Destinationen werden bei ausländischen Gästen immer beliebter. Seit 2013 verzeichnete Ostdeutschland zum dritten Mal in Folge Zuwächse bei den internationalen Gästeankünften in gewerblichen Betrieben und im Camping. Die Zuwächse lagen in Sachsen-Anhalt bei 12,4 Prozent, in Brandenburg bei 7,5 Prozent, in Sachsen bei 5,1 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern bei 1,5 Prozent. Thüringen hatte 2015 bei den Auslandsübernachtungen ein Minus von 0,1 Prozent.

Positiv entwickelt haben sich auch die Gästeübernachtungen internationaler Gäste in gewerblichen Betrieben und im Camping in Sachsen-Anhalt (+ 5,6 Prozent), in Brandenburg (+ 5,3 Prozent), in Sachsen (+ 3,5 Prozent) und in Mecklenburg-Vorpommern (+ 2 Prozent). Lediglich die Betriebe in Thüringen meldeten gegen den Trend leichte Übernachtungsrückgänge (- 1 Prozent).

Das Sparkassen-Tourismusbarometer appelliert an die Anbieter, die Marktanteile aus dem Incoming-Geschäft erzielen wollen, sich stärker in den Bereichen Sprachkompetenz, Öffnungszeiten (insbesondere Kultureinrichtungen), regionale Küche und Zahlungskomfort bzw. bargeldloses Bezahlen zu profilieren.

Weniger Besucher in Kultur- und Freizeiteinrichtungen

Traditionell analysiert das Tourismusbarometer die monatlichen Besucherzahlen in ausgewählten Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Rund 280 dieser sogenannten touristischen Wetterstationen werden mittlerweile untersucht.

Im Jahr 2015 kamen nach vorläufigen Berechnungen des Sparkassen-Tourismusbarometers 2,1 Prozent weniger Besucher als 2014. Deutschlandweit stagnierten die Besucherzahlen. Eine verhältnismäßig positive Besucherentwicklung verzeichneten 2015 in Ostdeutschland Kirchen (+ 38,6 Prozent) und Naturinfozentren (+ 3,1 Prozent). Dagegen kamen weniger Besucher zu Denkmälern/historischen Bauwerken (- 8,7 Prozent) und Ausflugschiffe/Fähren (- 14,5 Prozent).

Zufriedenheit der Gäste steigt

Der Wettbewerbsvorteil, den die ostdeutschen Reisegebiete in den vergangenen Jahren bei der Zufriedenheit der Gäste hatten, ist vorbei. Ostdeutschland erreichte 2015 einen TrustScore von 81,7 Punkten und entspricht damit exakt dem Bundesdurchschnitt.

Alle ostdeutschen Länder konnten die Zufriedenheit ihrer Gäste zwar steigern, aber deutschlandweit (+ 1,4 Punkte) und in den alten Bundesländern (+ 1,5 Punkte) stieg die Zufriedenheit der Gäste noch stärker.

Mecklenburg-Vorpommern erreichte 2015 einen TrustScore von 82,5 Punkten (+ 0,9 Punkte ggü. 2014) und fällt damit im bundesweiten Vergleich hinter Bayern (84,7 Punkte) und Schleswig-Holstein (83,4 Punkte) auf Platz 3 zuruck.

Sachsen erreicht 82,2 Punkte (+ 0,4 Punkte ggü. 2014), Brandenburg 80,9 Punkte (+ 1,5 Punkte ggu. 2014), Thüringen 80,7 Punkte (+ 0,5 Punkte ggu. 2014) und Sachsen-Anhalt 80,5 Punkte (+ 1,1 Punkte ggü. 2014).

Der TrustScore fasst Gästebewertungen auf uber 30 Onlineplattformen für Hotels zu einem Gesamtwert der Kundenzufriedenheit zusammen. Dabei können maximal 100 Punkte erreicht werden.

Marktsicherung in der Reifephase

In der Reifephase gilt es, den Markt zu sichern. Die Zeiten eines automatischen Wachstums scheinen vorbei zu sein. Ziel ist in erster Linie nicht mehr die Mengensteigerung, sondern die Wertsteigerung im Betrieb und in der Tourismusdestination.

Im Fokus der Wertsteigerung stehen kunftig die folgenden Handlungsfelder:

  • Qualität und qualitatives Wachstum
  • Regionalität und regionale Wirtschaftskreisläufe
  • Gästezufriedenheit, Lebenszufriedenheit der Einheimischen und Mitarbeiterzufriedenheit
  • Kooperation und integrierte Wertschöpfungsketten.

Tourismus kann dazu beitragen zu vernetzen, Nutzen für unterschiedliche Gruppen zu stiften, Landkreise, Städte und Gemeinden attraktiv zu machen und zu erhalten und ein ganzheitliches Denken zu fördern.