Brandenburg auf Wachstumskurs

Sparkassen-Tourismusbarometer für Brandenburg

Joachimstahl, 21. September 2016  Der Tourismus in Brandenburg wächst. Im ersten Halbjahr 2016 stieg die Zahl der Übernachtungen um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2015 lag der Wert bei 4,9 Prozent. Dies geht aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2016 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, dessen landesspezifische Ergebnisse der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, am Mittwoch in der Schorfheide vorstellte.

Bei längerfristiger Betrachtung der Nachfrageentwicklung sieht das Tourismusbarometer den ostdeutschen Tourismus insgesamt in der Reifephase. Für die dauerhafte bundesweite und internationale Wettbewerbsfähigkeit benötigt er neue Wachstumsimpulse. Beispielhaft nennt das Barometer die Saisonverlängerung und Investitionen in den Service.

„In Zeiten, in denen quantitative Zuwächse nicht mehr selbstverständlich sind, kommt es darauf an, die regionale Wertschöpfung des Tourismus zu verbessern und die regionalwirtschaftlich stabilisierende Wirkung des Tourismus in den Landkreisen, Städten und Gemeinden zu verfestigen. Hierzu müssen sich die Betriebe und Orte besser vernetzen“, so Dr. Michael Ermrich.

Erfreuliche Halbjahresbilanz mit wachsendem Inlandstourismus

Die Betriebe in Brandenburg verzeichneten 2015 rund 12,5 Mio. Übernachtungen. Im ersten Halbjahr 2016 wurden bislang 5,6 Mio. Übernachtungen erfasst. Während Brandenburg unter deutschen Gästen leicht überdurchschnittliche Zuwächse bei den Übernachtungen erzielt
(+ 4,2 Prozent im ersten Halbjahr 2016), wächst die Nachfrage aus dem Ausland verhaltener (+ 2,5 Prozent im ersten Halbjahr 2016).

Verluste meldete Brandenburg bei den Auslandsmärkten in den Niederlanden (-1,7 Prozent), Polen (-13,4 Prozent) und Österreich (-5,1 Prozent). Gewinne erzielte Brandenburg aus Großbritannien (+7,1 Prozent), Dänemark (+17,1 Prozent), Schweden (+7,9 Prozent) und Norwegen (+6,6 Prozent).

Insgesamt wird der Tourismus in Brandenburg durch eine stabile Nachfrage von Gästen aus Deutschland getragen. Auch die Gästeankünfte belegen diese Entwicklung. Die Betriebe in Brandenburg zählten 2015 insgesamt 4,7 Mio. Gästeankünfte, 5,9 Prozent mehr als 2014. Bundesweit betrug der Zuwachs 2015 3,7 Prozent.

Während die Ankünfte 2015 gegenüber 2014 von Gästen aus Deutschland um 5,7 Prozent stiegen, legten die Ankünfte von Gästen aus dem Ausland sogar um 7,5 Prozent zu.

Im Zeitraum Januar bis Juni 2016 kamen 2,1 Mio. Gäste nach Brandenburg, 3,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Entwicklung der Gästeankünfte im ersten Halbjahr 2016 ist geprägt von einer schwächeren Zunahme der ausländischen Gäste (+ 2,5 Prozent) als der Gäste aus Deutschland (+ 3,2 Prozent).

Regionen fast durchgehend im Plus

Erfreulich war die Entwicklung in fast allen brandenburgischen Reisegebieten. Überdurchschnittliche Nachfrage-zuwächse bei den Übernachtungen im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum meldeten die Betriebe im Lausitzer Seenland (+ 16,2 Prozent), im Spreewald (+11,3 Prozent), im Dahme-Seenland (+ 7,7 Prozent), in der Uckermark (+ 7,1 Prozent), im Barnimer Land (+ 6,5 Prozent), in Potsdam (+ 5,8 Prozent) und im Seenland Oder-Spree (+4,2 Prozent).

Leichte Übernachtungsgewinne gab es im Ruppiner Seenland (+ 3,5 Prozent), in der Prignitz (+ 3,4 Prozent), im Elbe-Elster-Land (+ 2,6 Prozent) und in der Niederlausitz (+ 0,2 Prozent).

Nach dem Ende der Bundesgartenschau 2015 im Havelland sank dort die Zahl der Übernachtungen um 8 Prozent. Die absolute Zahl der Übernachtungen des ersten Halbjahres 2016 in Höhe von 441.880 Übernachtungen liegt aber deutlich über dem Halbjahreswert im Vor-BUGA-Jahr 2014. Das deutliche Plus vom ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem ersten Halbjahr 2014 beträgt 7,3 Prozent.

Im Fläming ging die Zahl der Übernachtungen im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um 3,9 Prozent zurück. Grund dafür ist der Wegfall von Kapazitäten im Beherbergungsangebot. Die Auslastung ist in den Gemeinden mit Angebots- und Nachfragerückgang in etwa gleich geblieben.

Freizeitwirtschaft über Vorjahresniveau

Im Jahr 2015 verzeichneten die Kultur- und Freizeiteinrichtungen Brandenburgs insgesamt eine stabile Nachfrage mit leichten Besucherrückgängen in Höhe von 0,2 Prozent. Etwa 41 Prozent der Einrichtungen hatten Besucherzuwächse.

In den Monaten Januar bis Juli 2016 kamen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 4,7 Prozent mehr Besucher. Ostdeutschlandweit lagen die Besucherzuwächse bei 3,1 Prozent.

Gefragt waren in den ersten sieben Monaten in Brandenburg insbesondere Freilichtmuseen/Besucherbergwerke (+ 12,3 Prozent), Naturinfozentren (+ 8,8 Prozent), Burgen/Schlösser (+ 4,6 Prozent) und Museen/Ausstellungen (+ 2,8 Prozent). Weniger Besucher als im Vorjahreszeitraum zählten Erlebnisbäder/Thermen (- 0,6 Prozent) und Kirchen (-4,2 Prozent). Das Tourismusbarometer rät, weiterhin zu investieren und die Besucher mit Sondereffekten und Alleinstellungsmerkmalen zu begeistern.

Qualitätssignale aus Brandenburg

Kundennahe, moderne Angebote und eine hohe Servicequalität sind grundlegende Erfolgsfaktoren im Tourismus. Die Betriebe kommunizieren ihre Stärken auch mit Klassifizierungen und Zertifizierungen. Das sind deutliche Qualitätssignale an die Gäste.

Bei der DEHOGA-Klassifizierung erreicht Brandenburg mit 190 klassifizierten Betrieben einen bundesweiten Anteil von 2,2 Prozent (Stand Januar 2016). Einhergehend mit dem deutschlandweiten Trend verzeichnet Brandenburg erstmals Teilnehmerverluste 2016 gegenüber 2015. Der Marktanteil an den klassifizierten Betrieben in Deutschland sinkt leicht von 2,3 Prozent auf 2,2 Prozent.

Der Anteil DEHOGA-klassifizierter Betriebe an allen Hotels in Brandenburg beträgt aktuell 36 Prozent, während der Vergleichswert bundesweit und ostdeutschlandweit bei 42 Prozent liegt. Es gibt einen überdurchschnittlichen Anteil der 4/5-Sterne-Hotels in Höhe von 36 Prozent. Deutschlandweit beträgt der Anteil 32 Prozent.

Die Initiative „ServiceQualität Deutschland“ verläuft in Brandenburg überaus erfolgreich. Seit 2011 gibt es in Brandenburg einen deutlichen Zuwachs der Teilnehmer von 164 auf 354. Der Anteil an den deutschlandweiten Zertifizierungen stieg von 5,5 Prozent in 2011 auf gegenwärtig 11,1 Prozent (Stand Februar 2016) stark an. Etwa 90 Prozent der brandenburgischen Betriebe sind mit Stufe 1 zertifiziert.

Die Klassifizierung von Ferienwohnungen/-häusern und Privatzimmern mit den DTV-Sterneferien verzeichnet gegen den deutschlandweiten Trend leichte Gewinne. Während 2015 noch 1.204 Unterkünfte klassifiziert waren, sind es 2016 1.220 Objekte. Der Marktanteil an allen Objekten in Deutschland wächst leicht von 1,8 Prozent auf 2,2 Prozent. Der Anteil von Unterkünften mit 4/5 Sterne liegt aktuell bei 46 Prozent, deutschlandweit bei 47 Prozent.

Die Betriebe sollten sich vermehrt an Klassifizierungen beteiligen, um dem Gast entsprechende Qualitätssignale zu senden, ermuntert das Tourismusbarometer.

Hoch zufriedene Gäste

Qualitätsarbeit zahlt sich aus. Brandenburg erreichte 2015 einen TrustScore von 80,2 Punkten und konnte so 1,5 Punkte im Vergleich zu 2014 zulegen.

Der bundesweite wie auch der ostdeutsche Durchschnittswert liegt aktuell bei 81,7 Punkten. Bundesweit sind die Gäste in Bayern (84,7 Punkte), Schleswig-Holstein (83,4 Punkte) und in Mecklenburg-Vorpommern (82,5 Punkte) am zufriedensten mit ihren Hotels.

Lag Brandenburg 2012 mit 79,4 Punkten noch knapp über dem durchschnittlichen Wert für Deutschland (79,3 Punkte), liegt Brandenburg inzwischen deutlich unter dem deutschlandweiten Durchschnitt (81,7 Punkte).
Trotz der unterdurchschnittlichen Entwicklung lag Brandenburg 2012 und 2015 jeweils auf dem Rang 8 im Bundesländerranking.

Insgesamt sind die Gäste im Brandenburger Süden zufriedener als im Norden. Die besten Bewertungen geben die Gäste ihren Hotels in der Gesamtregion „Spreewald, Niederlausitz, Lausitzer Seenland, Elbe-Elster-Land, Fläming“ mit 82,5 Punkten. Gut schneidet die Gesamtregion „Dahme-Seenland, Seenland Oder-Spree“ mit 80,7 Punkten ab, ebenso wie die Gesamtregion „Ruppiner Seenland, Prignitz“ auch mit 80,7 Punkten. Am unteren Ende der Zufriedenheitsskala steht die Gesamtregion „Havelland, Potsdam“ mit 79,3 Punkten und die Gesamtregion „Uckermark, Barnimer Land“ mit 79,3 Punkten.

Der TrustScore fasst Gästebewertungen auf über 30 Onlineplattformen für Hotels zu einem Gesamtwert der Kundenzufriedenheit zusammen. Dabei können maximal 100 Punkte erreicht werden.

Weitere Informationen zum Tourismusbarometer im Internet unter: www.tourismusbarometer.de 

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  • Ergebnisse: Sparkassen-Tourismusbarometer - Mut zum Umdenken!
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