Ermrich: Politik darf Sparkassen nicht zusätzlich behindern

Rekord bei Unternehmenskrediten – Plus über dem Bundesschnitt

Berlin, 30. August 2016  Der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV) feiert in diesem Herbst seinen
25. Geburtstag und freut sich über einen neuen Höchststand bei der Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige.

Die 45 OSV-Mitgliedssparkassen bewilligten im ersten Halbjahr neue Kredite in Höhe von 2,4 Mrd. Euro (Vorjahr 2,2 Mrd. Euro). Dies geht aus den Halbjahreszahlen des Verbandes hervor, die der Geschäftsführende Präsident, Dr. Michael Ermrich, und der Verbandsgeschäftsführer, Wolfgang Zender,
am Dienstag in Berlin vorstellten.

Auch die Kreditvergabe an Privatpersonen erreichte mit 2,13 Mrd. Euro einen Spitzenwert. Im ersten Halbjahr lag der Kreditzuwachs in beiden Marktsegmenten deutlich über dem Bundesschnitt.

„Unsere Sparkassen haben allen Grund stolz zu sein. Auch darauf, dass sie an ihrem öffentlichen Auftrag festhalten und trotz des gewaltigen Drucks der Niedrigzinsphase und der Last der Überregulierung zuerst für ihre Kunden da sind und flächendeckend Finanzdienstleistungen anbieten“, so Ermrich.
Er warnte zugleich davor, den Belastungsbogen zu überspannen. „Wir überwinden mit viel Kraft und Energie die Hürden, die man uns in den Weg stellt. Es ist aber sehr deutlich, dass noch mehr Regulierung nicht zu verkraften ist. Sie ist nicht nur überflüssig, sie schadet den Sparkassen, den Kunden und letztlich auch der europäischen Idee.“ Bei der Regulierung im Bankensektor fehle der Blick auf das Risiko und Geschäftsmodell einer Sparkasse oder Bank.

Ermrich erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Subsidiarität auch im EU Vertrag festgeschrieben ist. Er ziele auf Selbstbestimmung der einzelnen Ebenen, nicht auf Bevormundung und zentrale Gleichmacherei.

Als Paradebeispiel für Überregulierung nannte Ermrich die bundesgesetzliche Umsetzung der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie, das die Kreditvergabe im Wohnimmobilienbereich erheblich und unnötig erschwere: „ Richtlinie und Umsetzung sollten Immobilienkunden vor Überschuldung schützen. In der Praxis erschwerten sie die Kreditvergabe massiv. Sparkassen müssten bspw. sicherstellen, dass ein Kredit noch zu Lebzeiten getilgt werde, der Wert einer Immobilie spiele kaum noch eine Rolle. Für junge Paare, aber auch ältere Menschen, Selbstständige oder Grenzgänger werde die Kreditaufnahme erschwert.
„Auch hier gilt, gut gemeint ist nicht gut gemacht! In der Praxis darf eine Sparkasse Kredite nicht bewilligen, obwohl sie weiß, dass diese zurückgezahlt werden. Unsere Sparkassen haben schon immer die Kreditvergabe auch in diesem Bereich genau geprüft. Sie kennen ihre Kunden teilweise von Kindesbeinen.“

Geschäftsergebnisse noch zufriedenstellend
Insgesamt bewerten Ermrich und Zender die Geschäftsergebnisse der Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und
Sachsen-Anhalt als noch zufriedenstellend.

Kreditvolumen wächst
Im ersten Halbjahr stieg das Kreditvolumen - und zwar um insgesamt
1,7 Mrd. Euro (3,7 Prozent) auf 48 Mrd. Euro. Dieses Wachstum verteilte sich auf die Segmente Unternehmen und Selbstständige +1 Mrd. Euro (5,1 Prozent) auf 21 Mrd. Euro, Privatpersonen +711 Mio Euro (3,8 Prozent) auf 19,2 Mrd. Euro und öffentliche Haushalte/Sonstige +11 Millionen Euro (+0,1 Prozent) auf 7,8 Mrd. Euro.

Einlagenwachstum hält an
Wie in den Vorjahren registrierten die OSV-Sparkassen bereits im ersten Halbjahr ein Einlagenwachstum. Seit Jahresbeginn stiegen die Einlagen um
875 Mio. Euro (0,9 Prozent) auf 94 Mrd. Euro (Vorjahr 668 Mio. Euro
/ +0,7 Prozent).

Kurzfristige Anlagen gefragt
Erneut waren als sicher geltende, kurzfristig verfügbare Anlagen besonders beliebt. Der Bestand an Anlagen mit normaler Verzinsung wuchs von Januar
bis Juni um 9,2 Prozent auf 8,5 Mrd. Euro und an Sichteinlagen um 3,6 Prozent auf 47,6 Mrd. Euro.

Reges Interesse an Wertpapieren
Darüber hinaus handelten die Kunden mit Wertpapieren. Sie kauften Papiere im Wert von 2,2 Mrd. Euro und verkauften Papiere im Wert von 1,6 Mrd. Euro.
Der Nettoabsatz betrug 585 Mio. Euro und lag somit 40,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Geldvermögen der Privatkunden wuchs in den ersten sechs Monaten um 572 Mio. Euro auf 120,8 Mrd. Euro.

Rentabilitätsentwicklung
Aufgrund von Kostensteigerungen und der Niedrigzinsphase erwarten die OSV-Sparkassen ein niedrigeres Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,05 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS). Im vergangenen Jahr lag der entsprechende Wert bei 1,07 Prozent der DBS, tatsächlich erreicht wurden zum Jahresende 2015 1,16 Prozent der DBS. 

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