Ermrich: Sparkassen behaupten sich trotz Regulierung

Anstieg bei Kreditvergabe – Plus bei Einlagen

Berlin, 20. Februar 2018  Die 45 Mitgliedssparkassen im Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV) haben sich auch 2017 gut behauptet. Sowohl bei der Kreditvergabe als auch bei den Einlagen verzeichneten sie ein Plus, erläuterten der Geschäftsführende OSV-Präsident, Dr. Michael Ermrich, und der Verbandsgeschäftsführer, Wolfgang Zender, am Dienstag vor Journalisten in Berlin.

„Unsere Sparkassen erfüllen ihren öffentlichen Auftrag, fördern den Sparsinn, stellen die Versorgung der Bevölkerung ihres Geschäftsgebietes mit geld- und kreditwirtschaftlichen Leistungen sicher, sorgen für einen intensiven Wettbewerb in der Kreditwirtschaft, fördern die allgemeine Vermögensbildung und die Wirtschaftserziehung der Jugend und engagieren sich für das Gemeinwohl“, betonte Ermrich.

Zugleich kritisierte er die Brüsseler Regelungswut, insbesondere an aufsichtsrechtlichen Vorschriften. Sie griffen stark in die Geschäftspolitik der Sparkassen ein und verschärften die Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung der Sparkassen.

Ausdrücklich begrüßte Ermrich, dass der Koalitionsvertrag Sparkassen als wichtige Finanzpartner und als Säule für die Stabilität des Finanzsystems würdige. Bei der Regulierung solle unterschieden werden, ob es sich um Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Förderbanken bzw. kleine und mittlere Privatbanken mit risikoarmen Geschäftsmodellen handelt oder um systemrelevante Großbanken. Zugleich forderte er: „Sinnvoll wäre es, wenn die zunehmende Mathematisierung der Regulierung in den letzten Jahren sich wieder stärker auf das real gelebte Alltagsleben einer Sparkasse zubewegen würde.“

Bekräftigt hat Ermrich seine Ablehnung einer europaweiten, einheitlichen Einlagensicherung (EDIS). „Es ist nicht einzusehen, dass die stabile und risikoarme regionale Kreditwirtschaft in Deutschland über EDIS für riskante Geschäftspraktiken und als Folge wirtschaftlicher Gegebenheiten bei den Nachbarn haften soll. Erst recht nicht, wenn wir weder beraten noch kontrollieren können, was dort vor sich geht. Wir haben ein leistungsfähiges und zuverlässiges Haftungssystem. Es gibt keinen Grund dafür, dass unsere örtlich verankerten Geldinstitute für global tätige Banken mit völlig anders arbeitenden Geschäftsmodellen haften sollen.“

Diese Auffassung sieht Ermrich in der Koalitionsvereinbarung bestätigt. „Wir begrüßen, dass im Zusammenhang mit der Eurozone davon gesprochen wird, dass auch künftig das Prinzip gelten muss, dass Risiko und Haftungsverantwortung verbunden sind. Die Umsetzung der Pläne zur Schaffung einer Europäischen Einlagensicherung (EDIS) sind eine Verletzung genau dieses Prinzips. Der beste Schutz für alle Sparerinnen und Sparer in Europa wäre die Umsetzung der vereinbarten gemeinsamen europäischen Standards in den nationalen Einlagensicherungssystemen“.

Geschäftsentwicklung der OSV-Mitgliedssparkassen


Kreditvergabe steigt

Die Kreditnachfrage boomt weiter. Sie war 2017 doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Im vergangenen Jahr vergaben die Sparkassen neue Kredite in Höhe von 10,7 Mrd. Euro (+ 2 Prozent), davon 5,6 Mrd. Euro für Unternehmen und Selbständige (+ 5,8 Prozent) und 4,4 Mrd. Euro an Privatpersonen (+ 5,4 Prozent).

Ein Plus ergab sich bei den Wohnungsbaufinanzierungen. Hier bewilligten die Sparkassen neue Kredite in Höhe von 5,2 Mrd. Euro (+ 5,1 Prozent).

Das Kreditvolumen stieg 2017 auf 53,4 Mrd. Euro (+ 6,7 Prozent), davon entfielen 25,2 Mrd. Euro (+ 11,2 Prozent) auf Unternehmen und Selbständige und 21,5 Mrd. Euro (+ 7,8 Prozent) auf Privatpersonen.

Einlagenwachstum hält an – Plus bei kurzfristig verfügbaren Anlagen

Das Einlagenwachstum der Sparkassenkunden setzte sich auch 2017 fort und zwar um 2,6 Prozent auf 98,8 Mrd. Euro, das gesamte Geldvermögen bei den Sparkassen auf über 128 Mrd. Euro (+ 3,4 Prozent).

Besonders begehrt waren bei den Sparern 2017 Termingelder mit einem Anstieg von 33 Prozent, Sparanlagen mit normaler Verzinsung (+15,2 Prozent) und Sichteinlagen (+ 5,3 Prozent).

Erneut gefragt waren Wertpapiere. Der Umsatz im Kundenwertpapiergeschäft betrug 8,5 Mrd. Euro (+ 19,5 Prozent), der Nettoabsatz lag bei 1,4 Millionen Euro (+ 42,9 Prozent).

Weiter engagiert für Gemeinwohl

Im vergangenen Jahr stellten die Sparkassen und ihre Stiftungen 54,6 Millionen Euro für Sponsoringvorhaben und Stiftungsprojekte aus den Bereichen Sport, Kultur, Jugend, Soziales, Umweltschutz und Forschung zur Verfügung. Der Wert liegt unter dem des Vorjahres (57,4 Millionen Euro).

OSV-Sparkassen behaupten sich

Erneut erreichten die ostdeutschen Sparkassen mit 1,14 Prozent der DBS (1,3 Mrd. Euro) nahezu den Vorjahreswert und somit ein zufriedenstellendes Betriebsergebnis vor Bewertung. Zugleich zahlten die OSV-Sparkassen Steuern im Inland in Höhe von rund 363 Millionen Euro, etwa 1,7 Millionen Euro weniger als 2016.

Die Cost-Income-Ratio lag 2017 bei 58,3 Prozent und war damit etwas besser als im Vorjahr (58,7 Prozent). Der vergleichbare Wert der großen deutschen Privatbanken bewegte sich deutlich über 80 Prozent.

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