Küstentourismus boomt

Sparkassen-Tourismusbarometer für Mecklenburg-Vorpommern

Stralsund, 14. September 2016  Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern wächst. Im ersten Halbjahr 2016 stieg die Zahl der Übernachtungen um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2015 lag der Wert bei 2,6 Prozent.

Dies geht aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2016 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, dessen landesspezifische Ergebnisse am Mittwoch im Stralsund-Museum vorgestellt wurden.

Bei längerfristiger Betrachtung der Nachfrageentwicklung sieht das Tourismusbarometer den ostdeutschen Tourismus in der Reifephase. Für die  dauerhafte  bundesweite und internationale Wettbewerbsfähigkeit  benötigt er neue Wachstumsimpulse. Beispielhaft nennt das Barometer die Saisonverlängerung und Investitionen in den Service.

„In Zeiten, in denen quantitative Zuwächse nicht mehr selbstverständlich sind, kommt es darauf an, die regionale Wertschöpfung des Tourismus zu verbessern und die regionalwirtschaftlich stabilisierende Wirkung des Tourismus in den Landkreisen, Städten und Gemeinden zu verfestigen. Hierzu müssen sich die Betriebe und Orte besser vernetzen“, so Dr. Michael Ermrich aus Anlass der Veröffentlichung des Sparkassen-Tourismusbarometers.

Erfreuliche Halbjahresbilanz mit stabilem Inlandstourismus

Die Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten 2015 rund 29,5 Mio. Übernachtungen. Im ersten Halbjahr 2016 wurden bislang 11,7 Mio. Übernachtungen erfasst. Während Mecklenburg-Vorpommern unter deutschen Gästen durchschnittliche Zuwächse bei den Übernachtungen erzielt (+ 4,6 Prozent im ersten Halbjahr 2016), wächst die Nachfrage aus dem Ausland etwas stärker (+ 5,3 Prozent im ersten Halbjahr 2016). Besonders beliebt ist Mecklenburg-Vorpommern bei Gästen aus den Niederlanden
(+ 19,2 Prozent), der Schweiz (+ 9,3 Prozent) und Österreich (+ 8 Prozent). Insgesamt wird der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern aber durch eine stabile Nachfrage von Gästen aus Deutschland getragen.

Auch die Gästeankünfte belegen diese Entwicklung. Die Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern zählten 2015 insgesamt 7,4 Mio. Gästeankünfte, 2 Prozent mehr als 2014. Bundesweit betrug der Zuwachs 2015 3,7 Prozent.

Im Zeitraum Januar bis Juni 2016 kamen 3,2 Mio. Gäste nach Mecklenburg-Vorpommern, 4,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Entwicklung der Gästeankünfte im ersten Halbjahr 2016 ist geprägt von einer schwächeren Zunahme der ausländischen Gäste (+ 3,8 Prozent) als der Gäste aus Deutschland (+ 4,2 Prozent).

Zuwächse an Küste –  Rückgänge im Binnenland

Erfreulich war die Entwicklung nur in den drei Reisegebieten an der Küste. Vorpommern (+ 7,6 Prozent), Mecklenburgische Ostseeküste (+6,3 Prozent) und Rügen/Hiddensee (+ 4,1 Prozent) konnten sich über mehr Übernachtungen im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum freuen. In Vorpommern waren insbesondere Fischland, Darß, Zingst  (+ 7,1 Prozent) und Usedom (+ 6,3 Prozent) gefragt.

Im Binnenland sank die Nachfrage in Westmecklenburg (- 3,7 Prozent) und in der Mecklenburgischen Schweiz und Seenplatte (- 1,2 Prozent).

Auch langfristig betrachtet ist die Küste die tragende Säule im Tourismus Mecklenburg-Vorpommerns. Der Marktanteil der Küste an den Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern beträgt 80,2 Prozent, das Binnenland lediglich 19,8 Prozent. In den Jahren 2005 bis 2015 wuchs der Marktanteil der Küste um 22 Prozent, während der Marktanteil des Binnenlandes um 13 Prozent stieg.

Freizeitwirtschaft leicht über Vorjahresniveau

Im Jahr 2015 verzeichneten die Kultur- und Freizeiteinrichtungen Mecklenburg-Vorpommerns insgesamt leichte Besucherzuwächse in Höhe von 0,5 Prozent. Etwa 54 Prozent der Einrichtungen hatten Besucherzuwächse.

In den Monaten Januar bis Mai 2016 kamen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 0,8 Prozent mehr Besucher. Ostdeutschlandweit lagen die Besucherzuwächse bei 0,7 Prozent.

Gefragt waren in den ersten fünf Monaten in Mecklenburg-Vorpommern insbesondere Burgen/Schlösser (+ 8,6 Prozent) und Naturinfozentren (+ 6,4 Prozent). Weniger Interesse hatten die Besucher an Zoos/Tierparks (- 0,2 Prozent), Museen/Ausstellungen (- 0,3 Prozent) und Stadtführungen (- 6,1 Prozent).

Das Tourismusbarometer rät, weiterhin zu investieren und die Besucher mit Sondereffekten und Alleinstellungsmerkmalen zu begeistern.

Qualitätssignale aus Mecklenburg-Vorpommern

Kundennahe, moderne Angebote und eine hohe Servicequalität sind grundlegende Erfolgsfaktoren im Tourismus. Die Betriebe kommunizieren ihre Stärken auch mit Klassifizierungen und Zertifizierungen. Das sind deutliche Qualitätssignale an die Gäste.

Bei der DEHOGA-Klassifizierung erreicht Mecklenburg-Vorpommern mit  317 klassifizierten Betrieben einen bundesweiten Anteil von 3,7 Prozent (Stand Januar 2016). Seit 2011 ist dieser Anteil um 2 Prozentpunkte gestiegen. Es gibt einen überdurchschnittlichen Anteil der 4/5-Sterne-Hotels in Höhe von 51 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 32 Prozent. Der Anteil DEHOGA-klassifizierter Betriebe an allen Hotels in Mecklenburg-Vorpommern liegt aktuell bei 36 Prozent, während der Vergleichswert bundesweit und ostdeutschlandweit bei 42 Prozent liegt.

Die Initiative „ServiceQualität Deutschland“ hat in Mecklenburg-Vorpommern starke Verluste der Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Von 89 zertifizierten Betrieben in 2011 sank die Zahl auf 60 Betriebe in 2016. Der Anteil an den deutschlandweiten Zertifizierungen sank somit von 3 Prozent in 2011 auf 1,9 Prozent (Stand Februar 2016).

Auch die Klassifizierung von Ferienwohnungen/-häusern und Privatzimmern mit den DTV-Sterneferien ist in Mecklenburg-Vorpommern wie auch im Deutschland-Trend rückläufig. Bundesweit sind gegenwärtig 7.822 Objekte klassifiziert, davon allein in Mecklenburg-Vorpommern 4.536 Objekte (knapp 60 Prozent).

Die Betriebe sollten sich vermehrt an Klassifizierungen beteiligen, um dem Gast entsprechende Qualitätssignale zu senden, ermuntert das Tourismusbarometer.

Hoch zufriedene Gäste

Qualitätsarbeit zahlt sich aus. Mecklenburg-Vorpommern erreichte 2015 einen TrustScore von 82,5 Punkten und konnte so 0,9 Punkte im Vergleich zu 2014 zulegen. Der bundesweite wie auch der ostdeutsche Durchschnittswert liegt aktuell bei 81,7 Punkten. Bundesweit sind die Gäste in Bayern
(84,7 Punkte) und Schleswig-Holstein (83,4 Punkte) am zufriedensten mit ihren Hotels. 2012 lag Mecklenburg-Vorpommern noch auf dem ersten Platz.

Die Betriebe in den Reisegebieten erreichen unterschiedliche Bewertungen. Rügen/Hiddensee (83,2 Punkte) steht unangefochten an der Spitze, gefolgt von Vorpommern (82,8 Punkte) und die Mecklenburgische Schweiz- und Seenplatte (82,6 Punkte). Die Mecklenburgische Ostseeküste (80,9 Punkte) und Westmecklenburg (79,5 Punkte) werden etwas schwächer bewertet.

Der TrustScore fasst Gästebewertungen auf über 30 Onlineplattformen für Hotels zu einem Gesamtwert der Kundenzufriedenheit zusammen. Dabei können maximal 100 Punkte erreicht werden.

Weitere Informationen zum Tourismusbarometer im Internet unter: www.tourismusbarometer.de

Link zum Download der App: www.sparkasse-vor-ort.de/s-tourismusbarometer

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