Tourismus in Sachsen-Anhalt wächst

Sparkassen-Tourismusbarometer für Sachsen-Anhalt

Weißenfels, 31. August 2016  Der Tourismus in Sachsen-Anhalt wächst, bleibt aber hinter der bundesdeutschen Entwicklung zurück. Im ersten Halbjahr 2016 stieg die Zahl der Übernachtungen um 2,6 Prozent, nach 2,4 Prozent im Jahr 2015. Im ersten Halbjahr betrug das deutschlandweite Plus drei Prozent, das ostdeutsche 2,5 Prozent. Dies geht aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2016 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, dessen landesspezifische Ergebnisse der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, am Donnerstag in Weißenfels vorstellte.

Das Tourismusbarometer sieht den Tourismus in Sachsen-Anhalt wie auch in Ostdeutschland insgesamt nach wie vor in der „Reifephase“. Die Nachfrage wächst langsamer. Will er dauerhaft bundesweit und international wettbewerbsfähig sein, benötigt er neue Wachstumsimpulse. Beispielhaft nennt das Barometer die Saisonverlängerung und Investitionen in den Service.

„In Zeiten, in denen quantitative Zuwächse nicht mehr selbstverständlich sind, kommt es darauf an, die regionale Wertschöpfung des Tourismus zu verbessern und die regionalwirtschaftlich stabilisierende Wirkung des Tourismus in den Landkreisen, Städten und Gemeinden zu verfestigen. Hierzu müssen sich die Betriebe und Orte besser vernetzen“, so Dr. Michael Ermrich.

Erfreuliche Tourismusentwicklung
Die sachsen-anhaltischen Betriebe verzeichneten 2015 insgesamt 7,6 Mio. Übernachtungen. Im ersten Halbjahr 2016 wurden bislang 3,5 Mio. Übernachtungen erfasst. Während Sachsen-Anhalt unter deutschen  Gästen eher unterdurchschnittliche Zuwächse bei den Übernachtungen erzielt (+ 2,3 Prozent im ersten Halbjahr 2016), wächst die Nachfrage aus dem Ausland deutlich stärker (+ 7 Prozent im ersten Halbjahr 2016). Damit setzte sich der Trend aus 2015 fort.

Auch die Gästeankünfte belegen diese Entwicklung. Die Betriebe in Sachsen-Anhalt zählten 2015 insgesamt 3,1 Mio. Gästeankünfte, 4,3 Prozent mehr als 2014. Bundesweit betrug der Zuwachs 2015 3,7 Prozent.

Im Zeitraum Januar bis Juni 2016 kamen 1,5 Mio. Gäste nach Sachsen-Anhalt, 2,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Entwicklung der Gästeankünfte im ersten Halbjahr 2016 ist geprägt von einer deutlich stärkeren Zunahme der ausländischen Gäste (+ 6,2 Prozent) als der Gäste aus Deutschland (+ 2,2 Prozent).

Reisegebiete mit positiven Halbjahresbilanzen
Erfreulich war auch die Entwicklung in den fünf sachsen-anhaltischen Reisegebieten. Anhalt-Wittenberg (+ 6,1 Prozent), Halle, Saale-Unstrut (+ 3,4 Prozent), Harz und Harzvorland (+ 2 Prozent) sowie Magdeburg, Elbe-Börde-Heide (+ 1,5 Prozent) konnten sich über mehr Übernachtungen im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum freuen. In der Altmark stagnierte die Nachfrage (- 0,1 Prozent).

Freizeitwirtschaft leicht unter Vorjahresniveau

Im Jahr 2015 verzeichneten die Kultur- und Freizeiteinrichtungen Sachsen-Anhalts insgesamt Besucherzuwächse in Höhe von 2 Prozent. Etwa 35 Prozent der Einrichtungen hatten Besucherzuwächse. In diesem Jahr kehrte sich die Entwicklung um. In den Monaten Januar bis Mai 2016 kamen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2,3 Prozent weniger Besucher. Ostdeutschlandweit lagen die Besucherrückgänge nur bei 0,2 Prozent.

Gefragt waren in den ersten fünf Monaten in Sachsen-Anhalt Landschaftsattraktionen (+ 26,8 Prozent) und Museen/Ausstellungen (+ 14,2 Prozent). Insbesondere die Landschaftsattraktionen profitierten von günstigeren Witterungsbedingungen als im Vorjahreszeitraum. Weniger Interesse zeigten die Besucher an privaten Eisenbahnen
(- 7,2 Prozent) und Kirchen (- 36, Prozent). Das deutliche Minus bei den Kirchen, wie auch das Gesamtergebnis, sind beeinflusst durch den Wegfall der BUGA Havelregion 2015.

Das Tourismusbarometer rät, weiterhin zu investieren und die Besucher mit Sondereffekten und Alleinstellungsmerkmalen zu begeistern.

Qualitätssignale aus Sachsen-Anhalt

Kundennahe, moderne Angebote und eine hohe Servicequalität sind grundlegende Erfolgsfaktoren im Tourismus. Die Betriebe kommunizieren ihre Stärken auch mit Klassifizierungen und Zertifizierungen. Das sind deutliche Qualitätssignale an die Gäste.

Bei der DEHOGA-Klassifizierung erreicht Sachsen-Anhalt mit 233 klassifizierten Betrieben einen bundesweiten Anteil von 2,7 Prozent (Stand Januar 2016). Es gibt einen unterdurchschnittlichen Anteil der 4/5-Sterne-Hotels in Höhe von 29 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei
32 Prozent.

Bei der Initiative „ServiceQualität Deutschland“ hat Sachsen-Anhalt ein hohes absolutes Niveau erreicht. Mit 143 zertifizierten Betrieben beträgt der Anteil an den deutschlandweiten Zertifizierungen 4,5 Prozent (Stand Februar 2016). Deutschlandweit ist unter den Betrieben der höchste Anteil von Zertifizierungen der Stufen 2 und 3 zu finden. Während der Anteil bundesweit bei 9,8 Prozent liegt, beträgt er in Sachsen-Anhalt 25,9 Prozent.

Sachsen-Anhalt bemüht sich nachweislich um Qualität. Die Betriebe sollten jetzt nicht nachlassen, sondern sich vermehrt an Klassifizierungen beteiligen, um dem Gast entsprechende Qualitätssignale zu senden, ermuntert das Tourismusbarometer.

Gästezufriedenheit steigt
Die Qualitätsarbeit zahlt sich aus. Sachsen-Anhalt erreichte 2015 einen TrustScore von 80,5 Punkten und konnte so 0,9 Punkte im Vergleich zu 2014 zulegen. Der bundesweite wie auch der ostdeutsche Durchschnittswert liegt aktuell bei 81,7 Punkten. Bundesweit sind die Gäste in Bayern
(84,7 Punkte), Schleswig-Holstein (83,4 Punkte) und Mecklenburg-Vorpommern (82,5 Punkte) am zufriedensten mit ihren Hotels.

Die Betriebe in den sachsen-anhaltischen Reisegebieten erreichen unterschiedliche Bewertungen. Harz und Harzvorland (82,1 Punkte) steht unangefochten an der Spitze, gefolgt von der Altmark (79,5 Punkte). Halle, Saale-Unstrut (78,6 Punkte) und Anhalt-Wittenberg (78,5 Punkte) werden etwas schwächer bewertet.

Sachsen-Anhalt steigerte zwar die Zufriedenheit seiner Gäste spürbar, aber deutschlandweit (+ 1,4 Punkte) und in den alten Bundesländern (+ 1,5 Punkte) stieg die Zufriedenheit der Gäste noch stärker. Insbesondere die Betriebe im Osten und Süden des Landes müssen vermehrte Anstrengungen unternehmen, um den Anschluss an das Landesniveau insgesamt zu halten.

Der TrustScore fasst Gästebewertungen auf über 30 Onlineplattformen für Hotels zu einem Gesamtwert der Kundenzufriedenheit zusammen. Dabei können maximal 100 Punkte erreicht werden.

Weitere Informationen zum Tourismusbarometer im Internet unter: www.tourismusbarometer.de

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