Tourismus in Sachsen stabil

Sparkassen-Tourismusbarometer für Sachsen

Mochau, 25. August 2016    Der Tourismus in Sachsen entwickelt sich weiter stabil, bleibt aber hinter der bundes- und ostdeutschen Entwicklung zurück. Im ersten Halbjahr 2016 lag die Zahl der Übernachtungen mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent etwa auf Vorjahresniveau. Für das gesamte Jahr 2015 lag der Wert bei - 0,9 Prozent. Deutschlandweit (+ 3 Prozent) und ostdeutschlandweit (+ 2,5 Prozent) wuchs die Nachfrage im ersten Halbjahr 2016 stärker. Dies geht aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2016 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, dessen landesspezifische Ergebnisse der Geschäftsführende Präsident des OSV, Dr. Michael Ermrich, am Donnerstag auf Gut Gödelitz vorstellte.

Das Tourismusbarometer sieht den sächsischen wie auch den ostdeutschen Tourismus nach wie vor in der „Reifephase“ angelangt. Will er dauerhaft bundesweit und international wettbewerbsfähig sein, benötigt er neue Wachstumsimpulse. Beispielhaft nennt das Barometer die Saisonverlängerung und Investitionen in den Service.  

„In Zeiten, in denen quantitative Zuwächse nicht mehr selbstverständlich sind, kommt es darauf an, die regionale Wertschöpfung des Tourismus zu verbessern und die regionalwirtschaftlich stabilisierende Wirkung des Tourismus in den Landkreisen, Städten und Gemeinden zu verfestigen. Hierzu müssen sich die Betriebe und Orte besser vernetzen“, so Dr. Michael Ermrich.

Differenzierte touristische Nachfrage  

Die sächsischen Betriebe verzeichneten 2015 insgesamt 18,7 Mio. Übernachtungen. Im ersten Halbjahr 2016 wurden bislang 8,54 Mio. Übernachtungen erfasst. Während Sachsen bei den Gästen aus dem Ausland weiterhin Zuwächse erzielt (+ 1,7 Prozent im ersten Halbjahr 2016), sind die Übernachtungen von deutschen Gästen leicht rückläufig (- 0,1 Prozent im ersten Halbjahr 2016). Dieser Trend setzt sich aus 2015 fort. Sachsen ist insbesondere bei Gästen aus Österreich und Polen beliebt.

Auch die Gästeankünfte belegen diesen Trend. Die sächsischen Betriebe zählten 2015 insgesamt 7,4 Mio. Gästeankünfte, soviel wie bereits 2014. Bundesweit betrug der Zuwachs 2015 3,7 Prozent.

Im Zeitraum Januar bis Juni 2016 kamen 3,4 Mio. Gäste nach Sachsen,
1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Entwicklung der Gästeankünfte im ersten Halbjahr 2016 ist geprägt von einer deutlich stärkeren Zunahme der ausländischen Gäste (+ 3,2 Prozent) als der Gäste aus Deutschland (+ 0,7 Prozent).

Unter den sächsischen Betrieben waren vor allem die Ferienzentren gefragt. Die Nachfrage in der Hotellerie stagnierte insgesamt und die sächsischen Campingplätze verzeichneten weniger Übernachtungen als im ersten Halbjahr 2015.  

Uneinheitliche Halbjahresbilanz sächsischer Reisegebiete

Uneinheitlich war die Entwicklung in den neun sächsischen Reisegebieten. Zuwächse bei den Nachfragen in einem Drittel stand eine rückläufige oder stagnierende Entwicklung in den übrigen zwei Dritteln gegenüber.

Leipzig (+ 5,1 Prozent), die Sächsische Schweiz (+ 2,8 Prozent) und das Vogtland (+ 2 Prozent) konnten sich über mehr Übernachtungen im ersten Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum freuen. In Dresden und im Erzgebirge stagnierte die Nachfrage (- 0,2 Prozent). Insbesondere Dresden koppelt sich hier vom ansonsten nach wie vor boomenden Städtetourismus in Deutschland ab. Oberlausitz/Niederschlesien (- 1,6 Prozent), das Sächsische Burgen- und Heideland (- 3 Prozent), das Sächsische Elbland (- 3,3 Prozent) und Chemnitz (- 9 Prozent) hatten Nachfragerückgänge zu verkraften.

Freizeitwirtschaft leicht unter Vorjahresniveau

Im Jahr 2015 verzeichneten die rund 80 Kultur- und Freizeiteinrichtungen Sachsens, die als touristische Wetterstationen des Tourismusbarometers die Entwicklungen der Freizeitwirtschaft messen, insgesamt Besucherrückgänge in Höhe von 6 Prozent. Nur etwa ein Drittel der Einrichtungen hatten Besucherzuwächse in 2015. In diesem Jahr setzte sich dieser Trend fort. In den Monaten Januar bis Mai 2016 kamen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 1,2 Prozent weniger Besucher. Ostdeutschlandweit lagen die Besucherrückgänge nur bei 0,2 Prozent. Hier spiegelt sich die insgesamt stagnierende Tourismusnachfrage in Sachsen wider.

Besonders gefragt waren in den ersten fünf Monaten in Sachsen die Freilichtmuseen und Besucherbergwerke (+ 17,9 Prozent) und die Stadtführungen (+ 10,1 Prozent). Weniger Interesse zeigten die Besucher an Landschaftsattraktionen (-  9,7 Prozent) und Museen/Ausstellungen (- 15,9 Prozent).

Das Tourismusbarometer rät, weiterhin zu investieren und die Besucher mit Sondereffekten und Alleinstellungsmerkmalen zu begeistern.

Deutliche Qualitätssignale aus Sachsen

Kundennahe, moderne Angebote und eine hohe Servicequalität sind grundlegende Erfolgsfaktoren im Tourismus. Die Betriebe kommunizieren ihre Stärken auch mit Klassifizierungen und Zertifizierungen. Das sind deutliche Qualitätssignale an die Gäste.

Bei der DEHOGA-Klassifizierung erreicht Sachsen mit 327 klassifizierten Betrieben einen bundesweiten Anteil von 3,8 Prozent (Stand Januar 2016). 2012 Lag der Anteil noch bei 4 Prozent. Es gibt einen überdurchschnittlichen Anteil der 4/5-Sterne-Hotels in Höhe von 39 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 32 Prozent.

Bei der Initiative ServiceQualität Deutschland hat Sachsen ein hohes absolutes Niveau erreicht. Mit 242 zertifizierten Betrieben beträgt der Anteil an den deutschlandweiten Zertifizierungen 7,6 Prozent (Stand Februar 2016). Unter den Betrieben ist ein hoher Anteil von Zertifizierungen der Stufe 1 (91 Prozent).

Sachsen bemüht sich nachweislich um Qualität. Die Betriebe sollten jetzt nicht nachlassen, sondern sich vermehrt an Klassifizierungen beteiligen, um dem Gast entsprechende Qualitätssignale zu senden, ermuntert das Tourismusbarometer.

Sächsische Gäste hoch zufrieden

Die Qualitätsarbeit zahlt sich aus. Sachsen erreichte 2015 einen TrustScore von 82,2 Punkten (+ 0,4 Punkte ggü. 2014). Der bundesweite wie auch der ostdeutsche Durchschnittswert liegt aktuell bei 81,7 Punkten. Bundesweit sind nur noch die Gäste in Bayern (84,7 Punkte), Schleswig-Holstein (83,4 Punkte) und  Mecklenburg-Vorpommern (82,5 Punkte) zufriedener mit ihren Hotels.

Die sächsischen Reisegebiete erreichen fast durchgängig ein hohes Niveau. Dresden (83,9 Punkte) verteidigt seinen Spitzenplatz, gefolgt von Oberlausitz-Niederschlesien (83,3 Punkte), Vogtland (83,1 Punkte), Erzgebirge (82,9 Punkte), Sächsisches Elbland (82,4 Punkte), Sächsische Schweiz (82,1 Punkte), Zwickau und Chemitz (81,6 Punkte), Sächsisches Burgen- und Heideland (79,5 Punkte) und Leipzig (79,4 Punkte).

Sachsen steigerte zwar die Zufriedenheit seiner Gäste, aber deutschlandweit (+ 1,4 Punkte) und in den alten Bundesländern (+ 1,5 Punkte) stieg die Zufriedenheit der Gäste noch stärker.  

Der Wettbewerbsvorteil, den die sächsischen Reisegebiete in den vergangenen Jahren bei der Zufriedenheit der Gäste hatten, ist vorbei. Lag der Abstand zum bundesweiten Durchschnittswert 2012 noch bei 2,1 Punkten, waren es 2015 nur noch 0,5 Punkte. Sachsen lag 2012 auf dem 2. Platz, 2015 rutschte Sachsen auf Rang 4 ab. Ostdeutschland hatte 2012 noch einen Vorsprung von 1,2 Punkten (80,5 ggü. 79,3), 2015 lag der Wert gleichauf bei 81,7 Punkten.

Der TrustScore fasst Gästebewertungen auf über 30 Onlineplattformen für Hotels zu einem Gesamtwert der Kundenzufriedenheit zusammen. Dabei können maximal 100 Punkte erreicht werden.

Das Tourismusbarometer


Das Sparkassen-Tourismusbarometer untersucht Trends und Entwicklungen in der ostdeutschen Tourismuswirtschaft. Gestartet wurde es 1998 in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Thüringen. Mittlerweile ist es als Monitoring-Instrument eine unverzichtbare Orientierungshilfe, die auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Saarland und Westfalen-Lippe zum Einsatz kommt.

Weitere Informationen zum Tourismusbarometer im Internet unter: www.tourismusbarometer.de 

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  • Sparkassen-Tourismusbarometer - Mut zum Umdenken! Tourismus in Sachsen zwischen Wettbewerb, Marktsicherung u Werteorientierung
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