Wachsende Nachfrage nach Unternehmenskrediten – leichtes Plus bei Einlagen

Ermrich: Sparkassen benötigen Freiraum statt regulatorischer Fesseln

Berlin, 29. August 2017  Das Neukreditgeschäft der 45 Mitgliedssparkassen im Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV) boomt. Im ersten Halbjahr 2017 bewilligten sie neue Kredite in Höhe von 5,3 Mrd. Euro (Vorjahr 5 Mrd. Euro). Davon entfielen 2,7 Mrd. Euro (Vorjahr 2,4 Mrd. Euro) auf Unternehmen und Selbstständige. Dies geht aus den Halbjahreszahlen des Verbandes hervor, die der Geschäftsführende Präsident, Dr. Michael Ermrich, und der Verbandsgeschäftsführer, Wolfgang Zender, am Dienstag in Berlin vorstellten.

Auch die Kreditvergabe an Privatpersonen erreichte mit 2,3 Mrd. Euro erneut einen Spitzenwert. Insgesamt steigerten die OSV-Sparkassen ihr Geschäftsvolumen im ersten Halbjahr deutlich. „Die ostdeutschen Sparkassen bleiben eigenkapitalstark und zuverlässige Stützen der wirtschaftlichen Entwicklung in ihren Geschäftsgebieten. Sie erfüllen ihren öffentlichen Auftrag sehr gut“, fasste Ermrich die Ergebnisse zusammen.

Ermrich mahnte, das „kundennahe, stabile und regionalverankerte Sparkassengeschäft“ benötige Freiräume. Wichtig seien Differenzierungen zwischen lokalen Instituten und internationalen Finanzkonzernen. Die Regulierungsgesetzgebung dürfe das Wirken der Sparkassen im Rahmen der europäischen und globalen Harmonisierungsbestrebungen nicht unnötig aufs Spiel setzen. „Inzwischen ist die Regulierungsschraube so weit angezogen worden, dass es politischen Mut erfordert, Teile zu überprüfen oder gar zu ändern. Dennoch bleibt dies der einzig sinnvolle Weg.“

Beispielhaft verwies Ermrich auf Pläne zur Einführung einer europäischen Einlagensicherung. „Wir sind dagegen, dass direkt oder indirekt von unseren Sparern erwirtschaftete Mittel im Notfall zur Auszahlung von Kunden-Einlagen insolventer Banken mit riskanten Geschäftsmodellen in anderen Staaten mitverwendet werden sollen. Wir erwarten dass die Politik darauf hinwirkt, dass die bestehende EU-Einlagensicherungsrichtlinie vollständig umgesetzt wird.“

Geschäftsergebnisse noch zufriedenstellend

Insgesamt bewerten Ermrich und Zender die Geschäftsergebnisse der Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt als gerade noch zufriedenstellend.

Kreditvolumen wächst

Das Kreditvolumen ist um insgesamt 1,5 Mrd. Euro (+3 Prozent) auf 51,5 Mrd. Euro gestiegen. Dieses Wachstum verteilte sich auf die Segmente Unternehmen und Selbstständige +1,1 Mrd. Euro (+4,7 Prozent) auf 23,7 Mrd. Euro und Privatpersonen +675 Millionen Euro (+3,4 Prozent) auf 20,7 Mrd. Euro. Einen leichten Rückgang um 251 Millionen Euro (-3,4 Prozent) auf 7,1 Mrd. Euro ergab sich bei den öffentlichen Haushalten/Sonstigen.

Einlagenwachstum konstant

Wie in den Vorjahren registrierten die OSV-Sparkassen bereits im ersten Halbjahr ein Einlagenwachstum. Seit Jahresbeginn stiegen die Einlagen um 37 Millionen Euro auf 96,4 Mrd. Euro.

Kurzfristige Anlagen gefragt

Nach wie vor bevorzugten die Kunden kurzfristig verfügbare Anlagen. Der Bestand an Anlagen mit normaler Verzinsung wuchs von Januar bis Juni um 8,2 Prozent auf 10,6 Mrd. Euro.

Reges Interesse an Wertpapieren

Darüber hinaus handelten die Kunden mit Wertpapieren. Sie kauften Papiere im Wert von 2,6 Mrd. Euro und verkauften Papiere im Wert von 1,9 Mrd. Euro. Der Nettoabsatz betrug 657 Millionen Euro und lag somit +12,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Geldvermögen der Privatkunden wuchs in den ersten sechs Monaten um 1,6 Mrd. Euro auf 125 Mrd. Euro.

Rentabilitätsentwicklung 

Aufgrund von Kostensteigerungen und der Niedrigzinsphase erwarten die OSV-Sparkassen ein niedrigeres Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,03 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme (DBS). Im vergangenen Jahr lag der entsprechende Wert bei 1,05 Prozent der DBS, tatsächlich erreicht wurden zum Jahresende 2016 1,15 Prozent der DBS.

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